Anti-Regierungstruppen starteten Sturm auf libysche Ölhäfen

Benghazi (APA/dpa/AFP) - Im Konflikt um die wichtigen Ölhäfen Libyens haben Truppen des einflussreichen Generals Khalifa Haftar Berichten zu...

Benghazi (APA/dpa/AFP) - Im Konflikt um die wichtigen Ölhäfen Libyens haben Truppen des einflussreichen Generals Khalifa Haftar Berichten zufolge eine Offensive gestartet. Eine Operation zur Rückeroberung der Stadt Ras Lanuf - die wichtige Ölterminals beherbergt - habe begonnen, sagte ein hochrangiger Kommandant der Truppen Haftars lokalen Medien zufolge am Dienstag.

Die Mission richte sich gegen die Verteidigungsbrigaden Benghazis, die Anfang März mehrere Ölterminals in dem zentralen Küstengebiet Libyens eingenommen hatten. Der Haftar nahestehende Fernsehsender Libya al-Hadath meldete die Einnahme Ras Lanufs und die Flucht der „terroristischen Banden“. Die Gegenseite erklärte hingegen, dass der Angriff abgewehrt worden sei. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich.

Haftars Truppen hatten im September die Kontrolle über die vier wichtigsten Ölterminals übernommen, über die der Großteil der libyschen Ölexporte läuft: Suwaitina, Brega, Ras Lanuf und Al-Sedra. Dass Ras Lanuf und Al-Sedra schon Anfang März wieder von den islamistischen Einheiten gestürmt wurden, weckte Zweifel an den militärischen Fähigkeiten von Haftars selbst ernannter Armee.

Die Vereinten Nationen warfen den rivalisierenden Gruppen unterdessen Hinrichtungen, Folter und andere Verbrechen vor. Es gebe „ernst zu nehmende Vorwürfe“, dass die Benghazi-Kämpfer bei den Kämpfen am 3. März zwei Angehörige der libyschen Nationalarmee in der Krankenstation von Ras Lanuf hingerichtet hätten, teilte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf mit. Die UNO sei „zutiefst besorgt“, dass die anhaltenden Kämpfe in der Region zu „weiteren Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten“ führen könnten.

General Haftar ist in dem gespaltenen Bürgerkriegsland mit der ostlibyschen Regierung verbündet. Diese kämpft gegen die international anerkannte Führung des Landes in Tripolis unter Ministerpräsident Fajis al-Sarraj um die Macht.

Al-Sarraj wiederum hatte vor etwa einer Woche angekündigt, die Öl-Einrichtungen des Landes mit Hilfe von verbündeten Truppen selbst einnehmen zu wollen. Wer die Terminals in Ras Lanuf und Ras Sidr momentan kontrolliert, ist unklar.

Zugleich gab es in Russland Meldungen, das von Haftar beeinflusste Parlament im ostlibyschen Tobruk habe um russische Militärausbilder gebeten. „Wir haben die russische Regierung gebeten, uns bei Ausbildung von Soldaten, bei der Reparatur von Militärtechnik durch russische Spezialisten zu helfen“, sagte der Parlamentsvorsitzende Aguila Saleh der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge.

Das Verteidigungsministerium in Moskau dementierte am Dienstag allerdings vorausgegangene Meldungen, Soldaten russischer Spezialtruppen seien in Ägypten für einen Einsatz im benachbarten Libyen stationiert worden.

Das Parlament und die Gegenregierung werden von General Haftar stark beeinflusst. Der als exzentrisch geltende Militär hat einen guten Draht nach Russland hat. Moskau sei an einer Stabilisierung Libyens interessiert, wolle sich aber nicht in innere Angelegenheiten einmischen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Doch das bedeutet nicht, dass Russland nicht mit den Seiten in Kontakt ist, mit denen es das für nötig hält.“ Anfang März war auch Al-Sarraj zu Gesprächen in Moskau gewesen.