Slowakei: Gericht rehabilitierte erstes Opfer des Eisernen Vorhangs
Bratislava (APA) - Ein Gericht in Bratislava hat zum ersten Mal in der slowakischen Geschichte ein Opfer des einstigen Eisernen Vorhangs jur...
Bratislava (APA) - Ein Gericht in Bratislava hat zum ersten Mal in der slowakischen Geschichte ein Opfer des einstigen Eisernen Vorhangs juristisch voll rehabilitiert. Die Tötung des DDR-Bürgers Hartmut Tautz an der Grenze der CSSR zu Österreich war dem Richter zufolge eine Straftat, wie die slowakische Agentur TASR mit Berufung auf das slowakische Institut des nationalen Gedenkens (UPN) am Dienstag berichtete.
Die Familie des Opfers hat jetzt Anspruch auf Entschädigung von der Slowakischen Republik, hieß es. Das UPN deutet die Gerichtsentscheidung als außerordentlichen Durchbruch. „Nach langen Jahrzehnten hat jetzt die Familie eines der Opfer endlich moralische Genugtuung erfahren,“ so UPN-Chef Ondrej Krajnak. Jetzt müsse auch ein Strafverfahren folgen, erklärte er.
Der nur 18-jährige Magdeburger Tautz wurde 1986 bei einem Fluchtversuch in den Westen an der slowakisch-österreichischen Grenze, unweit der österreichischen Gemeinde Kittsee, von Hunden der Grenzpolizei tödlich verletzt. Zur ersehnten Freiheit fehlten dem jungen Mann nur 22 Meter. Vergangenes Jahr wurde an der slowakisch-österreichischen Grenze ein Denkmal für Tautz eingeweiht.
Laut neuesten Feststellungen von Historikern sind an den Staatsgrenzen der damaligen CSSR mindestens 276 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Keiner der Verantwortlichen wurde in der Slowakei oder in Tschechien je zur Rechenschaft gezogen. In der Slowakei wurden alle Fälle für verjährt erklärt.