Badl-Widmung lässt Verein zittern
Dem Tennisclub Wörgl fehlen vier Plätze. Ein neuer Vertrag mit der Besitzergesellschaft hängt von der künftigen Flächenwidmung ab. In dieser Frage sind Gesellschaft und Stadtgemeinde weit auseinander.
Von Wolfgang Otter
Wörgl –So rasch als möglich möchte der Tennisclub am Wörgler Bad Eisenstein, im Volksmund Badl genannt, mit dem Training beginnen. In absehbarer Zeit beginnen nämlich die Meisterschaften und der TCW hat seine Mannschaften auf Bundes- und Landesebene angemeldet. Was die Tennisspieler aber nicht mehr haben, ist eine ausreichende Anzahl an Plätzen. Der Pachtvertrag für vier der sechs Plätze (zwei und das Tennisstüberl liegen auf dem ans Badl-Areal angrenzenden Grundstück der Dorfinteressentschaft) ist abgelaufen. Die Hoffnung, dass bis zum Frühjahr die Widmungscausa Bad Eisenstein gelöst ist und ihnen zumindest im Gesamten vier Plätze zur Verfügung stehen, hat sich für die Freunde des weißen Sports nicht erfüllt. Diese Woche, so ist von TCW-Obmann Walter Grimm zu erfahren, finde noch ein Gespräch mit der Grundbesitzer-Gesellschaft (der Bad Eisenstein GmbH) statt. Dabei hofft er zumindest für dieses Jahr noch eine Verlängerung zu erreichen. Ansonsten droht dem TCW das sportliche Aus, ganz abgesehen von finanziellen Problemen, die durch die Sanktionszahlungen seitens des Verbandes drohen, wenn die Wörgler ihren Spielverpflichtungen nicht nachkommen. Bei den Tennisspielern geht es also ums Überleben des Vereins.
Die Bad Eisenstein GmbH kann nach Worten des Unternehmers Roland Ponholzer aber derzeit keinem neuen Vertrag zustimmen. Zuvor müsse man wissen, was man am Badl-Areal bauen kann und was nicht. Und Letzteres hängt von der zukünftigen Widmung ab.
Die Gesellschaft hatte die Liegenschaft mit einem alten Gasthausgebäude und rund 12.000 Quadratmetern Grund im Süden der Stadt Wörgl und mitten im Naherholungsgebiet gelegen angekauft – samt einer Widmung für den Bau eines Beherbergungsgroßbetriebs. Diese hatte die Stadt Wörgl 2010 beschlossen. Für eine Gesellschaft, deren Pläne sich aber zerschlugen. Diese Hotel-Widmung wäre 2013 abgelaufen, da kein Hotelbau stattfand. „Entdeckt“ wurde dieser Umstand aber erst 2015. Mitten während einer Debatte über den Ankauf des Areals durch die Stadt. Der Gemeinderat hatte vor der Erkenntnis der verfallenen Widmung einen Beschluss gefasst, das Badl um 1,2 Millionen Euro anzukaufen. Nur wurde dieser Beschluss von Bürgermeisterin Hedi Wechner blockiert und eine Volksbefragung dazu angekündigt. Letztlich zog der Gemeinderat den Kaufbeschluss zurück.
Seither hat sich am Status quo der Fläche nichts geändert. Seit drei Jahren ist die Stadt mit der Rückwidmung in Verzug. Auch weil man mit der Gesellschaft über die weitere Nutzung verhandelt.
Roland Ponholzer hatte die Idee eines groß angelegten Integrationsprojektes mit Quartieren für bis zu 100 Asylwerber, einer Schule, mehreren kleinen Pavillons für Gewerbe bzw. medizinische Angebote, einem Integrationsgarten, außerdem einem Hotel Garni und einem Kaffeehaus. Bislang wurde aber erst das Haupthaus für bis zu 53 Asylwerber umgebaut. Bezüglich der weiteren Pläne gibt es Bedenken der in Wörgler Diensten stehenden Raumordnerin. Besonders die Nutzung der Fläche für Wohn- und Gewerbeeinheiten sieht diese kritisch. Genauso argumentiere das Land, ist vom Bau- und Raumordnungsreferenten Andi Schmidt (Liste Wechner) zu erfahren.
Mittlerweile hat die Bad Eisenstein GmbH umgeplant. Nun soll mit den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) eine Art Integrationsakademie mit Schulungsräumen und Platz für 150 Asylwerber entstehen. Außerdem Wohnungen für anerkannte Asylwerber sowie Schule und Kindergarten, aber auch drei private Wohnungen. Eingeplant wäre auch der Tennisplatz.
Nur fehlt für diese Studie die Begeisterung der Politik. Besonders die 150 Asylwerber, die hier konzentriert werden sollen, entlocken keine Freudensprünge. Andererseits drängen immer mehr darauf, den eigentlich gesetzlich vorgesehenen raumordnerischen Zustand herbeizuführen: sprich, die Widmung Großbeherbergungsbetrieb in Freiland umzuwandeln.
Schmidt hofft trotzdem, dass man sich in Gesprächen auf ein Projekt einigen könne. Aber sein Fokus liegt ganz klar auf dem Bereich Naherholung und Sport, wie er gegenüber der TT erklärt. Für Wohnen und Gewerbe bekomme man ohnedies keine Genehmigung des Landes und für die Großunterkunft für Asylwerber fehlt für ihn „das öffentliche Interesse der Stadt Wörgl“.
Was nun die Tennisplätze anbelangt, ist sich Schmidt mit dem FPÖ-Vizebürgermeister Mario Wiechenthaler einig: Dies sei in erster Linie Sache des Vereins, der mit der Gesellschaft über einen Vertrag verhandeln müsse.