Osttirol

Voller Tatendrang mitten im Leben

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Der fast 17-jährige Jonas Schlichenmaier aus Lienz interessiert sich für Geschichte, hört gern Musik der Beatles, spielt täglich Schlagzeug, fährt richtig gut Ski - und hat das Down-Syndrom.

Von Claudia Funder

Lienz –Es sind sein erfrischendes Selbstbewusstsein und seine Offenheit, die schon bei der Begrüßung klar zum Ausdruck kommen und um die ihn wohl manch anderer beneiden dürfte. Jonas ist „fast 17 Jahre alt“, wie er verrät, als er gerade erst von der Schule nach Hause gekommen ist. Er besucht das Klösterle in Lienz. Und fragt man ihn, was ihm dort besonders gefällt, antwortet er mit einem verschmitzten Lächeln: „Die vielen Mädels.“

Der Jugendliche verfügt über eine gehörige Portion Humor, zeigt im Gespräch dann wieder eine sensible, nachdenkliche Seite und ist manchmal ungeduldig – so wie viele Gleichaltrige.

Jonas hat aber auch eine Besonderheit: Er wurde im Mai des Jahres 2000 mit Down- Syndrom geboren. Nichts hatte vorher darauf hingewiesen, es gab keinen Verdacht, nichts Auffälliges. „Die Pränataldiagnostik war damals noch nicht so weit entwickelt“, erzählt seine Mama Pia. „Es war eine Überraschung. Ich hab’ es erst nach der Geburt erfahren.“ Ein Herzfehler machte den sofortigen Transfer in die Innsbrucker Klinik erforderlich. Erst nach dem Spitalsaufenthalt konnte der gemeinsame Alltag beginnen.

Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, sondern eine besondere genetische Konstellation: Das 21. Chromosom liegt drei- statt zweifach vor, deshalb auch die Bezeichnung Trisomie 21.

Am Schlagzeug ist Jonas ganz in seinem Element.
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Für Jonas’ ältere Geschwister Joakim und Jakob, heute 19 und 22 Jahre alt, war dieses kleine „Extra“ kein Thema. „Sie waren sofort begeistert von ihrem Bruder“, erinnert sich Pia. Die Eltern des neuen Erdenbürgers durchlebten zu Beginn aber schon eine emotionale Achterbahnfahrt. Es gab diffuse Ängste und Unsicherheiten. „Aber wir wuchsen schnell rein“, stellt Pia klar. Man ging mit Jonas sofort hinaus und mit der Situation offen um. Die Reaktionen des Umfeldes? „Wir haben gute Erfahrungen gemacht.“

Jede Entwicklung eines Kindes wird dadurch beeinflusst, wie liebevoll man sich um es kümmert, es fördert und welche soziale Erfahrungen es machen darf. Die Frühförderung hat bei Jonas erfolgreich gegriffen. Und mit seiner Familie hat er es sowieso denkbar gut erwischt.

Der fast 17-Jährige weiß, dass er das Down-Syndrom hat, will aber auf die Chromosomenbesonderheit nicht näher eingehen, nur so viel: „Es stört mich immer wieder.“

In Plauderlaune kommt Jonas allerdings bei der Frage nach seinen Hobbys. Denn diese Liste ist lang. Der Schüler liebt Geschichte und Geografie, tischt im Gespräch sofort Fakten und Jahreszahlen auf. Die Mythologie – alles über Götter und Helden – hat es ihm besonders angetan.

Und Musik ist für Jonas ein großes Thema. Favoriten? „Die Beatles“, hat er schnell die Antwort parat, um gleich zu ergänzen: „Aber auch Blasmusik.“ Die Klänge kommen aber nicht nur aus der Konserve, er produziert sie auch selbst. Wie viel Rhythmus Jonas im Blut hat, beweist er am Schlagzeug. In seinem Jugendzimmer lässt er die Drumsticks wirbeln. „Ich spiele jeden Tag“, sagt er. Gelernt hat er das, was er zu Recht mit Stolz präsentiert, in der Musikschule, die er bereits das dritte Jahr besucht.

„Ich geh’ auch gern ins Kino, mit meinem Freund Sebi“, erzählt Jonas. Und er trainiert regelmäßig im Fitnessstudio. Im Winter sportelt er auch in der Natur, geht mit Papa Ski fahren – und das richtig gut.

Das Ende der Schullaufbahn naht. Schon bald wird Jonas erste berufliche Schritte wagen. Noch ist offen, wohin sie ihn führen werden. Aber er wird seinen Weg machen. Im Sommer kann der historisch interessierte junge Mann schon einmal in einem geschichtsträchtigen Bau arbeiten. Ab Ende Juni darf Jonas auf Schloss Bruck schnuppern – und dann vielleicht ein Ferialpraktikum absolvieren.

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