Eremiten und die Gretchenfrage
Robert Prossers und Fabian Faltins Performance „Dein Herz sei Stein“ im Freien Theater.
Innsbruck –Wer in Fragen der Religion kein Zweifeln kennt, dem ist nicht zu trauen. Glauben heißt immer auch Ringen um Einsicht und höhere Erkenntnis. Insofern passt die „Gottesperformance“ „Dein Herz sei Stein“ von Robert Prosser und Fabian Faltin – sie war an den vergangenen zwei Tagen im Freien Theater Innsbruck zu erleben – gut in die Fastenzeit, die, gemäß katholischer Tradition, auch Glaubensprüfung sein soll. Frömmelnd ist die Wort-Bild-Beat-Collage freilich nicht. Inhaltlich geht es – nach witziger Persiflage halbseidener Heilsbringer, die mit ihren Erbauungshefterln vornehmlich in die eigene Tasche wirtschaften – um die Gretchenfrage: „Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion? Die Wege der Annäherung sind verschieden: Prosser ringt brachial mit Wunsch, Wille und Vorsehung und knallt massives Steinwerk auf eine Blechplatte, Faltin hackt – ein technisch aufgerüsteter Wiedergänger mittelalterlicher Kopisten – verbissen wackelige Sinnsprüche in die Tastatur.
Die Auseinandersetzung mit Religion und deren ritueller Überlieferung sind hier immer auch Arbeit an Sprachformeln: Eremiten (Antonius und Paulus von Theben etwa werden direkt benannt) ziehen sich ins Schweigen zurück, missionarische Eiferer hingegen dreschen vielfältigste Phrasen – und vehement ins Schlagwerk. Sowohl sprachlich als auch szenisch finden Prosser und Faltin starke Bilder für ihre ebenso beherzte wie herzhafte Leidenslitanei. (jole)