Bundesheer

Mist-Robben — aber weniger Klagen beim Bundesheer

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

In den Jahren davor hat es viel mehr Beschwerdeverfahren beim Heer gegeben als 2016.

Von Karin Leitner

Wien –Ein Fehler bei einer Gefechtsdienstausbildung kann eine schwere Folge haben: Ein Unteroffizier befahl einer Charge wegen eines Lapsus, ein 34,5-Kilo-Baumstück, „Holzschwammerl“ geheißen, mitzutragen – eine Dreiviertelstunde lang. An anderer Stelle gab es die Order, auf einer Wiese mit frischem Kuhmist zu robben.

Als „Schikanen“ qualifiziert und dokumentiert die parlamentarische Bundesheer-Kommission diese Vorfälle in ihrem Bericht für das Jahr 2016. „Unangebrachte Ausdrucksweisen“ von Vorgesetzten sind ebenfalls angeführt: „Zu dumm für alles!“, „Schleich dich in dein Kammerl!“, „Ich will dich heute nicht mehr riechen!“. Auch „aggressives Verhalten im Umgang mit dem Untergebenen durch das Wegschleudern eines Buches“ beanstandet die Kommission. Ebenso, dass ein Unteroffizier während des sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes seine private Waffe offen getragen hat. Oder dass ein anderer ein Hakenkreuz auf einen Tisch zeichnete.

In Summe hat sich allerdings einiges gebessert. 144 Beschwerdeverfahren gab es 2016 – die geringste Zahl in den vergangenen fünf Jahren. 2015 waren es 398 gewesen, 2014 gar 508.

Das Gros der Beanstandungen betraf die Ausbildung und den Dienstbetrieb (42 Prozent), ein Drittel (35 Prozent) Personalangelegenheiten. 30 Prozent stammten von Grundwehrdienern, 70 Prozent kamen aus dem Kader.

Warum hat es viel weniger Klagen gegeben als in den Jahren davor? Kommissionsvorsitzender Michael Hammer (ÖVP) begründet das so: Mit der „Trendwende“ beim Heeresbudget sei „Zukunfts-Mut eingekehrt. Da beschwert man sich auch nicht über jede Kleinigkeit.“

Die Parlamentarier monieren aber einiges: Es fehle teils Ausrüstung für die Soldaten – wie Kugel- oder Stichschutz. Material sei schlecht verarbeitet, Reißverschluss und Nähte einer Kampfweste gingen schon bei leichter Beanspruchung kaputt.

Als „deutlich zu niedrig“ wertet die Kommission den Sold der Grundwehrdiener von knapp über 300 Euro monatlich. Und so geloben die Abgeordneten aller Couleur, sich dafür einzusetzen, dass er erhöht wird. Hammer schweben 500 Euro vor.