„Auch als Vierte hat Michi gewonnen“
Für Michaela Schörgendorfer (26) und Christine Holzknecht (28) stellt allein die Teilnahme bei den derzeit laufenden Special Olympics in Schladming einen Erfolg dar. Im Langlauf kämpfen sie um die Medaillen.
Von Thomas Mair
Mils –Wenn die Special-Olympics-Athletin Michaela Schörgendorfer die Ziellinie im Langlauf überquert, ist für sie eines klar: „Ich habe gewonnen.“ Welche Platzierung dabei herausschaut, ist nebensächlich. Mit ihrem überschwänglichen Jubel über einen vierten Rang schaffte es die 26-Jährige, die in der Milser Wohngemeinschaft des Vereins W.I.R. (Sozialeinrichtung für Menschen mit Behinderung) beheimatet ist, vor acht Jahren bei den Weltwinterspielen im US-amerikanische Boise (Idaho) sogar auf die Titelseite der regionalen Tageszeitung.
„Auch als Vierte hat Michi für sich gewonnen, weil sie das Beste aus sich herausgeholt hat. In ihrem Rahmen ist das leistungsorientiert“, erklärt ihre Betreuerin Birgit Leyerer die große Bedeutung des Wettkampfs für intellektuell beeinträchtigte Menschen. Seit einem Jahrzehnt arbeitet die Sportkoordinatorin des Vereins W.I.R. mit zahlreichen Athleten, die ohne ihr Zutun wohl gar nicht zum Sport gekommen wären. So nimmt Leyerer jährlich mit einer großen Gruppe auch an zahlreichen nationalen Leichtathletik-Bewerben (ÖM) und fast jeder TT-Wandercup-Station teil. „Wichtig ist, ein Ziel zu erreichen, wodurch man Anerkennung bekommt, und mit dem Erfolg, aber auch mit dem Misserfolg umgehen zu können“, streicht die 46-Jährige auch den sozialen Aspekt des Sports heraus, der verstärkt bei den bevorstehenden Weltwinterspielen in Schladming, Ramsau und Graz (siehe oben) mit knapp 2700 Sportlern aus 107 Nationen zum Tragen kommt.
„Ich habe mich gewundert, wie die Kommunikation unter den Athleten abläuft. Lauter verschiedene Sprachen – und wahrscheinlich haben alle in der Art wie Michi gesprochen. Es hat geklappt“, erzählt Michaelas Schwester Dagmar Meister von ihren Beobachtungen bei den Special Olympics in den USA vor acht Jahren. Damals errang Michaelas Mitbewohnerin Christine Holzknecht sogar eine Bronzemedaille. Obwohl sie nur einige Trainingseinheiten auf niedriger Frequenz absolviert hat, sei ihr wieder Edelmetall zuzutrauen. „Sie ist ein richtiger Wettkampftyp“, weiß Leyerer um die Stärken der 28-Jährigen, die abseits des Sports vielseitig interessiert ist. So versucht sie mit Lese- und Schreibkursen in Eigeninitiative ihre Ressourcen zu optimieren.
Die Spiele in der Steiermark sollen mit den zahlreichen Eindrücken bei den Wettkämpfen und Siegerehrungen sowie Eröffnungs- und Schlussfeier ein weiterer Schritt in der Persönlichkeitsbildung sein. Für Leyerer ist es die Weltwinterspiel-Premiere: Vor acht Jahren fehlte sie krankheitsbedingt. „Ich war noch nie in Amerika, das haben mir Michaela und Christine voraus.“