EU-Türkei-Flüchtlingspakt und die Lage in Griechenland
Brüssel/Ankara/Athen (APA/dpa) - Mehr als 860.000 Flüchtlinge und Migranten setzten im Jahr 2015 illegal von der Türkei nach Griechenland üb...
Brüssel/Ankara/Athen (APA/dpa) - Mehr als 860.000 Flüchtlinge und Migranten setzten im Jahr 2015 illegal von der Türkei nach Griechenland über. Die meisten von ihnen reisten anschließend sofort über die Balkanroute nach Mitteleuropa.
Erstmals wurde dieser Flüchtlingszustrom gestoppt, als das Transitland Mazedonien die Grenzen schloss und die Flüchtlinge in Griechenland festsaßen. In der Folge vereinbarte die EU am 18. März 2016 mit der Türkei den Flüchtlingspakt.
Dieser Flüchtlingspakt sieht vor, dass die EU alle Flüchtlinge und Migranten, die ab dem 20. März 2016 illegal zu den griechischen Inseln übersetzen, zurück in die Türkei schicken kann. Zudem kann für jeden in die Türkei zurückgeschickten syrischen Flüchtling ein anderer Syrer auf legalem Weg aus der Türkei in die EU reisen.
In Zahlen ist der Pakt ein Erfolg; nach 860.000 Flüchtlingen und Migranten im Jahr 2015 kamen im Jahr 2016 nur noch rund 170.000 Menschen illegal nach Griechenland, die meisten von ihnen in den Monaten Jänner bis März, also vor Inkrafttreten des Abkommens. Die Zahlen sind auch 2017 rückläufig: Von Jahresbeginn bis Mitte März kamen nach offiziellen Angaben auf den Inseln rund 2800 Menschen an.
Die Rückführung der Flüchtlinge in die Türkei hingegen läuft mangels Asylfachleuten und Übersetzern nur stockend. Am 4. April 2016 wurden die ersten Menschen im Rahmen des Flüchtlingspakts zurückgeschickt; nach einem Jahr beläuft sich die Zahl der abgewiesenen Flüchtlinge auf rund 900. Derweil harren weiterhin rund 14.000 Migranten und Flüchtlinge auf den Inseln der Ostägäis aus. Sie dürfen ihren Aufenthaltsort nicht verlassen, denn nur wer Asyl bekommt, kann bleiben und zum Festland reisen.
Insgesamt leben in Griechenland zur Zeit gut 62.000 Migranten. In ihrer Mehrheit sind sie in Lager in Nord- und Mittelgriechenland untergebracht.