Bezirk Reutte

Kurios: Plansee kündigt und stellt an

Außerferns Leitbetrieb Plansee.
© Plansee

Einerseits sind Mitarbeiter in einer Stiftung oder werden freigestellt, andererseits wird intensiv gesucht.

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Breitenwang –Außerferns Leitbetrieb Plansee zeigt sich in seiner Personalpolitik gerade janusköpfig, also mit zwei völlig verschiedenen Gesichtern. Neue Mitarbeiter werden mit allen Mitteln gesucht, gleichzeitig müssen andere von Bord gehen. Plansee-Vorstandsvorsitzender Michael Schwarzkopf bestätigt diese fast kuriose Situation und nennt es „zwei Bewegungen, die im Gang sind. Zwei Themen, die quasi parallel laufen.“ Einerseits versucht Plansee schlanker zu werden, über Jahre gewachsene Strukturen zu hinterfragen und Personal abzubauen. Dafür wurde 2014 das Projekt Reinvent gestartet, ein „Marathon, der uns für den verschärften Wettbewerb fit machen soll“, wie sich Hobbyläufer Schwarzkopf auszudrücken pflegt. „Da fallen natürlich Arbeitsplätze weg“, redet der Planseechef nicht um den heißen Brei herum. Derartige „Wegfälle“ von langjährigen Mitarbeitern hatten in letzter Zeit wie schon Jahre nicht mehr zu hitzigen Diskussionen und Verunsicherung in der Bevölkerung geführt; auch wenn der Abschied mit einem großzügigen Sozialplan, bis hin zu stark ausgeweiteten Abfertigungen, versüßt worden war.

Der Plansee-CEO verweist in diesem Zusammenhang auf den Maßstab, der nicht aus den Augen verloren werden dürfe: „Wir bewegen uns in Reutte/Breitenwang seit Langem bei rund 2300 Mitarbeitern. Letztes Jahr waren es 2314, im Moment sind es 2275.“ Was der Unternehmenschef sagen will: Der Mitarbeiterstand werde im Großen und Ganzen stabil gehal­ten; daran wird nicht gerüttelt.

Andererseits sucht Plansee derzeit händeringend nach Fachkräften. 40 offene Stellen sind zu besetzen, davon 20 mit Facharbeitern. Der zufriedenstellende Geschäftsgang erfordert dies. Die Anforderungsprofile beim lokalen Industrieriesen an die Belegschaft steigen aber – ganz im internationalen Trend – enorm. „Eine immer höhere Spezialisierung ist notwendig. Der einfache Angestellte ist eine aussterbende Spezies“, sagt Schwarzkopf angesichts zunehmender Automatisation, die Kosten und Herstellungszeit um bis zu derzeit 30 Prozent nach unten drücken soll und kann.

Reuttes AMS-Leiter Klaus Witting bestätigt den neuen Arbeitskräftebedarf. „Plansee samt Ceratizit haben bei uns 20 offene Stellen für Metallfacharbeiter gemeldet. Die Situation ist aber nicht einfach. Der Raum Reutte gibt hier nichts mehr her. Das kann nur noch über Zuzug gelöst werden“, glaubt der oberste Arbeitsvermittler. Plansee sei nicht umsonst auch im Allgäu besonders aktiv am Akquirieren. Sogar auf die Rückgewinnung Ehemaliger werde gesetzt, womit Witting die Plansee-Arbeitsstiftung anspricht. Gut zwei Dutzend hatten die Chance dieses weichen Aus- und Umstiegs seit 2015 am Schopf gepackt und neue Bildungswege begonnen. In der Stiftung befinden sich aktuell noch 20 Personen. So mancher sei auch gegangen, der nicht gehen hätte müssen, was eben auch vorkommen könne, räumt Michael Schwarzkopf ein.

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