Kunde überfiel seine Tankstelle: Zwei Jahre Gefängnis
Fünf Tage vor seinem 30. Geburtstag musste ein Innsbrucker letzten November eine desaströse Lebensbilanz ziehen. Spielsüchtig, arbeitslos un...
Fünf Tage vor seinem 30. Geburtstag musste ein Innsbrucker letzten November eine desaströse Lebensbilanz ziehen. Spielsüchtig, arbeitslos und hoch verschuldet, hatte er keinen Cent mehr in der Tasche. In dieser Situation kam es auch noch zum Streit mit den Eltern – ein Rauswurf aus der Wohnung folgte. Darauf streunte der Geschiedene unweit seiner Wohngegend herum und kam in seiner Verzweiflung auf eine Idee, die ihm gestern am Landesgericht einen Prozess wegen Raubes eingebracht hatte. Das Motiv war klar: „Ich hatte die Tage zuvor zweimal 3000 Euro verloren. Nicht mal Geld für ein Essen hatte ich mehr und Hunger!“, begründete der 30-Jährige vor Richterin Verena Offer einen Raubüberfall auf eine Tankstelle. Die frequentierte Eni-Tankstelle am Rennweg war dabei als Tatort nicht zufällig ausgewählt worden. Kannte sie der Innsbrucker doch im wahrsten Sinn des Wortes in- und auswendig, da er dort in besseren Zeiten Kunde gewesen und ab und an sogar auf einen Kaffee eingekehrt war. 40 Minuten ging der Spieler dann noch zaudernd vor der Tankstelle hin und her, bevor die Kugel auf Überfall fiel. Im Schutz der Dunkelheit betrat er dann mit ausgeschnittener Sturmhaube und Pistolenattrappe den Kassenraum und schrie: „Kassa auf, Geld her!“ Die Kassiererin übergab ihm darauf hintereinander drei 100-Euro-Scheine und drückte den Alarmknopf. Darauf konnte der Räuber zwar noch flüchten – die unweit des Tatorts entsorgte Sturmhaube überführte ihn jedoch anhand der DNA-Spuren. Richterin Offer: „Warum haben Sie sich denn keine Wurstsemmel geklaut? Das wär’ zwar auch schlimm, aber da stünden nicht zehn Jahre drauf!“ Unbescholtenheit, Geständnis und Reue drückten die Strafe jedoch rechtskräftig auf zwei Jahre Gefängnis.
Eine Haftstrafe droht einem Polen in Österreich hingegen schon seit 16 Jahren. Damals zog er als Einbrecher durch Sölden in der Wintersaison und richtete einen Schaden von über 25.000 Schilling an. Seither wird nach dem Mann gefahndet. Ein Treffer in Deutschland führte nun zum Prozesstermin, aber nicht zur Verhaftung. Vielleicht ist der 37-Jährige gerade deshalb wieder nicht am Landesgericht erschienen. (fell)