Tirol

Nach Lawinenunglück in Schmirn: Bergführer wehren sich

Ein Großaufgebot an Rettern war Mitte März beim Lawinenunglück im Schmirntal im Einsatz.
© zeitungsfoto.at

Der Bergführerverband kritisiert das Verhalten des Tiroler Lawinenwarndienstes nach dem Unglück in Schmirn scharf.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Dieser schneearme Winter zeigt jetzt seine Tücken. Sieben Todesopfer gibt es diese Woche nach Lawinenabgängen in Tirol zu beklagen. Der Verband österreichischer Berg- und Skiführer mit Sitz in Innsbruck protestiert nun gegen das Verhalten und die Kommentare des Tiroler Lawinenwarndienstes nach dem Unglück in Schmirn. Vier Skibergsteiger der geführten Schweizer Grupp­e starben vergangenen Mittwoch in den Schneemassen am Jochgrubenkopf. „Ich schäme mich, dass Kollegen via Medie­n vorverurteilt werden, ohn­e dass man genauere Fakten kennt“, ärgert sich Robert Span, Vorsitzender des Bergführerverbandes. Er meint damit Äußerungen von Vertretern des Lawinenwarndienstes, in denen die „denkbar schlechte“ Tourenwahl des Bergführers kritisiert wurde. In Schweizer Medie­n war auch die Rede davon, dass man „selbst die Tour nicht unternommen hätte“.

Zu diesem Zeitpunkt hätte man noch keine seriösen Angaben zum Unfallhergang machen können, sagt Span. „Es ist Aufgabe des Lawinenwarndienstes, einen Lagebericht zu erstellen und über die herrschende Lawinengefahr zu informieren. Aber es ist nicht seine Aufgabe, bei einem Unglück zu werten und zu beurteilen.“ Dafür gebe es die Alpinpolizei, Sachverständige und die Justiz. In der Schweiz und hierzulande seien viele schockiert über die Äußerungen.

Nach Recherchen des Bergführerverbandes hatt­e der Schweizer Bergführer, der seit 1974 unfallfrei führt und Führerautor ist, die Tour auf den Jochgrubenkopf über mehrere Tage von anderen Gipfeln aus beobachtet und anhand von Literatur und Karte sorgfältig geplant. „Selbst bei Anwendung der defensivsten Tourenplanungsmethode, der elementaren Reduktionsmethode von Lawinenpapst Werner Munter, ist die Entscheidung für den Jochgrubenkopf immer noch nachvollziehbar und vertretbar“, so Span.

Wenn ein Bergführer bei einem Unglück beteiligt ist, kommt es immer wieder zu Reibereien zwischen der offiziellen Bergführervertretung und dem öffentlichen Lawinenwarndienst. Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst möchte derzeit „kein Öl mehr ins Feuer gießen. Es wird ein klärendes Gespräch mit dem Berg­führerverband geben.“

Lawinenkunde ist ein Schwerpunkt in der Ausbildung zum Berg- und Skiführer. Das Unfallverhältnis von geführten und ungeführten Gruppen liegt bei 1:4, informiert der Bergführerverband.
© Archiv Leichtfried

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