Weltliche Mühe um leeres Kloster
Reutte bestellt gerade eine Firma, die den Nachnutzungsfindungsprozess begleiten soll.
Von Helmut Mittermayr
Reutte –Reuttes Bürgermeister als weltlicher Kümmerer um einen sakralen Bau – das hat sich Alois Oberer wohl auch nicht ausgemalt, dass er dafür einmal viel Energie aufwenden wird müssen. In Sachen Nachnutzung von Klöstern steht er mit der Problematik, dass es an Geld und Konzepten fehlt, allerdings nicht alleine da. Beuerberg, Hartberg, Anzbach, Am Stein, Ilsenburg – die Liste im nahen deutschsprachigen Raum für den schwierigen Prozess, leer stehenden Klöstern einen neuen Sinn zu verleihen, könnte locker fortgeschrieben werden. Altenheime, Asylunterkünfte – innovativere Verwendungen wurden meist nicht gefunden. Oft standen die Klöster einfach nur viele Jahre leer.
Überall bestand eine ähnliche Problematik wie in Reutte – große Kubaturen, steinalte Bausubstanz, eingeschränkte Verwendung. „Wir können ja keine Disco reinmachen“, sagt Oberer. Hier habe ja auch der Besitzer das letzte Wort. Seit dem Jahr 2014 steht das Kloster leer, der Kirchenbetrieb in St. Anna läuft hingegen uneingeschränkt weiter. Als Immobilie erscheinen Klostergarten, Paulusheim, Innenhof, das Klostergebäude mit Riesendachboden auf den ersten Blick interessant. Aber: „Um eine Investition in zweistelliger Millionenhöhe wird eine Investor nicht herumkommen“, klärt Reuttes Marktchef auf. Das 388 Jahre alte Anwesen sei nicht in schlechtem Zustand, aber eben doch ziemlich veraltet, nicht einmal eine richtige Elektrifizierung sei vorhanden. Ein sozialer Nutzen ist laut Oberer gut und recht: „Aber irgendwie muss es sich auch rechnen. Wer soll das dann alles bezahlen?“
Provinzial Pater Oliver denkt laut Oberer indes weiter darüber nach, zu welchen Bedingungen die Franziskaner das Kloster – wahrscheinlich in Form eines Baurechtsvertrages – der Gemeinde Reutte überlassen werden. Verkaufen will es der Orden nicht. Die Marktgemeinde hat die Vermessung des Anwesens inzwischen durchgeführt. BM Oberer: „Ende März gibt es ein Hearing. Dort wird jene Firma ausgewählt, die uns in dem Prozess zur Nachnutzungsfindung begleiten wird. Der Frage, was in Reutte fehlt, soll intensiv nachgegangen werden. Danach wird die Bevölkerung eingebunden.“