Großer Tag für die Zukunft des sozialen Wohnbaus
In Schwaz wurden gestern die Schlüssel der landesweit ersten so genannten Fünf-Euro-Wohnungen an die Mieter vergeben.
Von Angela Dähling
Schwaz –243 Euro brutto Miete inkl. Betriebs- und Heizkosten. So viel bzw. wenig ist in der Schwazer Freiheitssiedlung Nr. 13 für eine 50 m² große Neubauwohnung zu zahlen. 365 Euro sind es für eine 72 m² große Wohnung. Beide haben einen großzügigen Balkon, Parkettböden, kontrollierte Wohnraumbelüftung, Vollwärmeschutz und erfüllen alle Auflagen bezüglich Barrierefreiheit und Brandschutz.
Sie gehören zu den 18 so genannten Fünf-Euro-Wohnungen, die das Land Tirol, die Stadtgemeinde Schwaz und der gemeinnützige Wohnbauträger Neue Heimat Tirol (NHT) gestern stolz als „Quantensprung bei leistbarem Wohnraum und in der Sozialpolitik“ (Zitat LH Günther Platter) präsentierten. Und für die gestern die Schlüssel an die künftigen Mieter vergeben wurden. Wer in den Miet-Genuss kommen darf, bestimmten zu 15 % das Land Tirol und zu 85 % die Stadtgemeinde Schwaz.
Wie es möglich wurde, die Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen, deren Errichtung 2,42 Mio. Euro kostete, zu einem Mietpreis von fünf Euro fertigzustellen? „Zum einen durch 132.000 Euro Wohnbauförderung für die Passivhausausstattung durch das Land Tirol. Dadurch verringerte sich die Miete um 45 %“, erklärte Wohnungslandesrat Johann Tratter. Die Stadt leistete ihren Teil, indem sie für das Areal nur ein Drittel des üblichen Baurechtzinses für 50 Jahre verlangt. Die übrigen Kostenersparnisse sind der Bauweise zu verdanken: Auf ein Kellergeschoß und eine Tiefgarage wurde verzichtet.
„Die Wohnungen sind mit Abstellräumen ausgestattet, die kleineren haben ein Kellerabteil im Erdgeschoß“, erläutert NHT-Projektleiter Dietmar Waldeck. Im Parterre befinden sich auch Technik- und Abstellräume für Kinderwagen und Fahrräder. Auch die Bauweise mit nur einem Lift und einem Stiegenaufgang reduzierten die Kosten. Auf Balkone (Kostenpunkt im Schnitt 7000 € pro Wohnung) sollte zunächst verzichtet werden. Auf sie bestand die Stadtgemeinde aber. „Wir haben in allen Bereichen Einsparungen gemacht, nicht aber in den Wohnungen“, fasst Waldeck zusammen. Wer ein Auto hat, kann einen von 14 Parkplätzen dazumieten. Sogar einen Anschluss für E-Autos gibt es. Parkplatzprobleme ortet Lintner nicht: weil es öffentliche Parkplätze im Umfeld gebe und immer mehr auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden. Rund 100 Bewerber buhlten um die Wohnungen, „die Mietzinshilfe nicht mehr nötig machen“, sagte BM Hans Lintner, dessen Stadtgemeinde am Königsfeld ein weiteres Projekt dieser Art mit der NHT umsetzen will.
LH Günther Platter hofft auf viele Nachahmer. In Kitzbühel, Umhausen und Buch gebe es bereits ähnliche Pläne.