SAF-Holland könnte von US-Protektionismus profitieren

München (APA/Reuters) - Die protektionistischen Wirtschaftspläne von US-Präsident Donald Trump könnten sich für den deutsch-amerikanischen N...

München (APA/Reuters) - Die protektionistischen Wirtschaftspläne von US-Präsident Donald Trump könnten sich für den deutsch-amerikanischen Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland positiv auswirken. Vorstandschef Detlef Borghardt verwies am Freitag auf die Vorzüge des Freihandels, sagte aber: „Protektionismus kann für uns durchaus von Vorteil sein. Wenn mehr im Land produziert wird, bedeutet das mehr Transport.“

Weil dies zum Großteil auf der Straße geschehe, könne dies für Schwung bei den Herstellern von Lastwagen und Anhängern sorgen, die wiederum Kunden von SAF-Holland sind. Der Zulieferer stellt Achsen, Federungen oder Kupplungen für Trailer, Lkw oder Busse her. Im wichtigen US-Markt geht die Restrukturierung weiter.

SAF-Holland schließt dort zwei seiner sieben Werke. Dies werde „spätestens Mitte nächsten Jahres“ abgeschlossen sein, sagte Borghardt. Die Restrukturierung laufe wie geplant. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Markt in den USA dem Vorstandschef zufolge überraschend stark um rund 30 Prozent; bei SAF-Holland fiel der Umsatz ebenfalls, wenn auch weniger stark. In Europa und Indien gingen die Geschäfte des Zulieferers dagegen besser.

Insgesamt gab der Umsatz um 1,8 Prozent nach auf 1,04 Mrd. Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn sackte um 3,8 Prozent ab auf 90,4 Mio. Euro. SAF-Holland hatte 2016 die Mehrheit am brasilianischen Federungsspezialisten KLL übernommen. Kosten verursachte auch das zurückgezogene Übernahmeangebot für den schwedischen Bremsenhersteller Haldex, den sich jetzt Knorr-Bremse einverleiben will. „Für uns ist das Thema abgeschlossen“, sagte Borghardt. „Wir haben alle Haldex-Aktien verkauft.“

Borghardt zufolge wird SAF-Holland in den USA nach der Restrukturierung „eine tolle Kostenbasis“ haben. Dies werde sich auszahlen, wenn es, möglicherweise im zweiten Halbjahr, in Nordamerika wieder aufwärts gehe. Die konkreten Auswirkungen von Trumps Plänen auf die Wirtschaft müsse man abwarten. „Kein Flottenbetreiber bestellt neue Trucks oder Trailer nur, weil die Politik Ankündigungen macht.“ Würden tatsächlich die Unternehmenssteuern gesenkt, hätten die Firmen mehr Geld für Investitionen.

Die geplanten Infrastrukturprojekte könnten für mehr Transport sorgen, führte Borghardt aus. Auch höhere Militärausgaben in den USA könnten SAF-Holland letztlich in die Hände spielen: Der Zulieferer stellt Federungen für militärische Landfahrzeuge her. In Mexiko produziert das Unternehmen demnach nicht, sondern ist dort an einer Gießerei beteiligt. Bei Bedarf könne man deren Produkte auch in den Vereinigten Staaten beziehen. „Wir kaufen in den USA ein, wir produzieren in den USA und fakturieren in den USA. Wir sind immer lokal.“