Historische Fotografie

Ein Archiv für die Welt, wie sie früher war

© Innsbruck, um 1895 (Fotograf: An

Im Rahmen eines mit rund 1,3 Mio. Euro ausgestatteten Interreg-Projekts soll ein Kompetenzzentrum für historische Fotografie aus Tirol und Südtirol entstehen.

Innsbruck –Man stelle sich vor, man spaziert durch Innsbruck, Lienz, Bozen oder Bruneck, und während man die Welt von heute betrachtet, erscheint auf dem Smartphone die Vergleichswelt von gestern, und zwar in Form von historischen Ansichten der Orte, an denen man sich befindet. Eine mobile App soll’s möglich machen.

Deren Entwicklung ist aber nur eines der vielen Vorhaben im Rahmen des im Jänner 2017 gestarteten und diese Woche in Bozen vorgestellten Interreg-Projekts „Kunstschatz Lichtbild“. Es baut auf jener Arbeit auf, die der in Lienz und Bruneck ansässige Verein Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst, kurz TAP, bereits von 2011 bis 2015 im Rahmen eines Interreg-Projekts geleistet hat: Er sammelte und dokumentierte historische Fotografien, zunächst aus Osttirol und dem Pustertal, um so eine visuelle Geschichte Tirols zu erschließen, die sonst vielleicht auf ewig auf Dachböden, in Schubladen und privaten Fotoalben geschlummert hätte. Und gerade die privaten Fotos, sagt TAP-Leiter und Historiker Martin Kofler, seien von „enormem Wert“, würden sie doch auch interessante Einblicke in Alltagsleben, Kleidungsgewohnheiten oder auch in Arbeitsumfelder gewähren.

Das visuelle Archiv, das das TAP da zusammenträgt, erhält seinen Wert auch durch die Informationen, die zu den Fotografien ausgeforscht und gesammelt werden. Wofür man, so Kofler, über ein „gutes Netzwerk“ an Experten verfüge, die eben auch einmal dabei helfen können, zu eruieren, welcher Berg es denn nun ist, der da auf einer historischen Landschaftsaufnahme zu sehen ist.

Der bisher gesammelte und weiter wachsende „Kulturschatz Lichtbild“ soll nun auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Rahmen des neuen bis 2019 laufenden Interreg-Projekts, bei dem das TAP als so genannter „Lead-Partner“ fungiert, sollen weitere Tausende Lichtbilder erfasst, gescannt und Bilddateien schließlich auch als Open Data zur Verfügung gestellt werden. Außerdem werden Leitlinien für den geschulten Umgang mit historischer Fotografie erarbeitet, zudem soll es Workshops und E-Learning-Angebote u. a. für Chronisten, aber auch andere Interessierte geben.

Das Land Tirol und Südtirol sind bei dem Projekt ebenso mit an Bord wie unter anderem die Stadtgemeinde Bruneck, die Tiroler Landesmuseen und das Tiroler Bildungsforum. Das Projektbudget beträgt insgesamt 1,348 Millionen Euro, davon 756.750 Euro an EU-Mitteln, 252.900 Euro trägt die Kulturabteilung des Landes Tirol bei. (jel)

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