Wunsch nach Stabilität macht „Lu-Olo“ zum Wahlfavoriten in Osttimor
Dili (dpa) - Zum ersten Mal nach Abzug der UN-Friedenstruppen im Jahr 2012 wird in Osttimor am Montag ein neuer Präsident gewählt. Den Wähle...
Dili (dpa) - Zum ersten Mal nach Abzug der UN-Friedenstruppen im Jahr 2012 wird in Osttimor am Montag ein neuer Präsident gewählt. Den Wählern in der früheren portugiesischen Kolonie geht es nach Einschätzung von Experten vor allem um eines: Stabilität.
Acht Kandidaten haben sich um das größtenteils repräsentative Amt beworben. Aber wer in den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Dili einziehen wird, hängt vor allem von einem Faktor ab: Welcher Kandidat konnte Xanana Gusmao für sich gewinnen? Die Unterstützung des Unabhängigkeitshelden sei ausschlaggebend für den Wahlsieg, sagt Tomas Pinto von Osttimors Nationaluniversität. „Wen auch immer Herr Xanana unterstützt, wird gewählt. Alle anderen sind nur zur Unterhaltung da.“
Die Chancen stehen daher sehr gut für Francisco „Lu-Olo“ Guterres: Gusmao hat sich für den ehemaligen Parlamentspräsidenten und Chef der Fretilin-Partei ausgesprochen. Der Wahlsieger hat nach Ansicht Pintos die Chance, eine Ära von Stabilität und Entwicklung für die zwischen Indonesien und Australien gelegene Inselhälfte mit 1,2 Mio. Einwohnern einzuleiten. „Ich glaube, die Menschen haben genug von der Gewalt und haben verstanden, dass Unsicherheit den wirtschaftlichen Fortschritt behindert“, sagt er.
Fretilin begann ihr Dasein als Widerstandsbewegung - zuerst gegen die portugiesische Kolonialmacht und später gegen Indonesien, das Osttimor nach Abzug der Portugiesen 1974 besetzte. Bei einem UN-Referendum 1999 sprach sich die Mehrheit für die Unabhängigkeit aus. Pro-indonesische Milizen überzogen das Land daraufhin mit Gewalt, teils mit Hilfe indonesischer Soldaten. Erst 2012 verließen die UN-Blauhelme nach Jahren politischer Gewalt das seit 2002 unabhängige Land.
Während der indonesischen Besatzungszeit war Gusmao Widerstandskämpfer und Mitglied von Fretilin, später wurde er der erste Präsident und danach Regierungschef. Die von ihm gegründete CNRT-Partei ist die stärkste Kraft in der Regierungskoalition.
Es sei gut für die Stabilität des Landes, dass Fretilin und die CNRT den gleichen Kandidaten unterstützten, sagt Damien Kingsbury, Südostasien-Experte von der australischen Deakin-Universität. Gleichzeitig schränke es die Möglichkeiten anderer Parteien zur Regierungsbildung ein. „Es ist nicht per se undemokratisch, aber es vermindert die Verpflichtung, Rechenschaft abzulegen, und ist daher anfällig für Korruption.“
Amtsinhaber Taur Matan Ruak tritt bei dem Urnengang am 20. März nicht mehr an. Umfragen zufolge könnte Guterres die für einen Sieg im ersten Wahlgang notwendigen 50 Prozent knapp verfehlen, sagte Kingsbury.