Kritische Studie zu unterirdischer Lokalbahnverlängerung in Salzburg

Salzburg (APA) - Für die Stadt Salzburg könnte in den kommenden Wochen eine entscheidende Weichenstellung in der Verkehrspolitik erfolgen. S...

Salzburg (APA) - Für die Stadt Salzburg könnte in den kommenden Wochen eine entscheidende Weichenstellung in der Verkehrspolitik erfolgen. Seit Jahrzehnten wird über eine unterirdische Verlängerung der Lokalbahn durch die Altstadt diskutiert. Über das Stadium von Gutachten, Studien und Absichtserklärungen kam man aber nie hinaus. Der Stadtbahnbeauftragte der Stadt hat nun einen kritischen Bericht vorgelegt.

Gleich zu Beginn der mit gestern, Donnerstag, datierten Studie spricht der Stadtbahnbeauftragte Willi Rehberg (er baute Hervis Österreich auf und war später Chef der Thyssen-Tochter Aqua Engineering) von zu erwartenden „beträchtlichen risikoreichen Investitionskosten und hohen laufenden Kosten“ für die unterirdische Lokalbahnverlängerung. Das Land hatte sich im Vorjahr auf diese Variante festgelegt. Konkret soll die Bahn, die schon jetzt kurz vor dem Salzburger Hauptbahnhof unter der Oberfläche verschwindet, unterirdisch durch die Altstadt bis zur Akademiestraße geführt und von dort oberirdisch über Anif und Rif bis nach Hallein weitergezogen werden.

Verkehrslandesrat Hans Mayr (parteifrei) bezifferte vor einem Jahr bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie die Investitionskosten noch mit 535 Millionen Euro. Bereits einen Monat später ergab eine Valorisierung durch die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG Kosten von 766 Millionen Euro. Schließlich wurden die Daten auch der Kommunalkredit vorgelegt, und anhand dieser Zahlen errechnete Rehberg nun indexierte Gesamtkosten von 1,012 Milliarden Euro. Bei einer angenommenen - bisher allerdings keineswegs zugesagten - Beteiligung des Bundes in der Höhe von 388 Millionen Euro verblieben in Salzburg Kosten von 624 Millionen Euro. Der Stadtbahnbeauftragte rechnete noch die Zinsen (281 Millionen Euro) und 35 Jahre Instandhaltungskosten dazu und kam auf eine Gesamtbelastung von 1,475 Milliarden Euro. Dies würde für Stadt und Land für die Jahre 2030 bis 2065 eine jährliche Zahlung von insgesamt 42 Millionen Euro bedeuten.

Rehberg verglich dann noch die Salzburger Schätzungen mit Erfahrungswerten aus anderen Städten. Während man in Salzburg den Tunnelkilometer mit 148 Millionen Euro geschätzt habe, seien in Wien für die U2-Donaukanal-Querung rund 240 Millionen Euro je Kilometer angefallen, in Karlsruhe für die Innenstadtunterquerung rund 250 Millionen Euro, so der Studienautor. Sollten in Salzburg ähnliche Kosten wie in Karlsruhe entstehen, würden die Kosten - ohne Instandhaltung - auf rund 1,3 Milliarden Euro steigen.

Rehberg ging dann noch auf die möglichen Probleme mit dem Salzburger Seeton ein, der schon bei früheren Bauvorhaben zu Problemen und Kostensteigerungen geführt hatte. Es handle sich um einen „hochproblematischen, setzungsanfälligen Boden“. Um die Gebäude entlang der Trasse abzusichern, seien „enorme vorauslaufende Kosten für Bodenverfestigungen“ nötig, so Rehberg unter Berufung auf den (inzwischen pensionierten) Stadtbaudirektor Walter Hebsacker. Historische Gebäude seien gefährdet. „Das finanzielle Risiko für das Gesamtprojekt erscheint dadurch kaum kalkulierbar.“ Schließlich sei während der sechsjährigen Bauzeit die Aufrechterhaltung des Öffentlichen und des Individualverkehrs „sicher eines der größten Probleme“.

Negativ fiel auch Rehbergs Kosten-Nutzen-Analyse aus. Bei den errechneten 28.000 Fahrgästen täglich im Bereich der Innenstadt ergibt sich demnach ein negatives Saldo von 3,7 Millionen Euro pro Jahr. Das heißt, die Kosten seien um diesen Betrag höher als der gesamtwirtschaftliche Nutzen.

Abschließend hält der Stadtbahnbeauftragte fest, dass es sich beim gezeichneten Szenario keinesfalls um einen „Worst Case“ handle. Dazu würde etwa zählen, dass der Generalunternehmer in Konkurs schlittere, die Tunnelbohrmaschine monatelang stehen bleibe wie in Karlsruhe, sich das UVP-Verfahren lange verzögere, das Zinsniveau stark steige oder dem Seeton auch mit Vereisung nicht beizukommen sei, so Rehberg. All diese Annahmen seien in seinen Berechnungen nicht berücksichtigt.

Rehberg wird den Bericht am kommenden Montag dem Stadtsenat präsentieren. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ), der sich schon zuletzt pessimistisch zu einer Realisierung des Projektes geäußert hatte, meinte am Freitag, der nun vorliegende Bericht spreche für sich und offenbare ein eindeutiges Ergebnis. „Ich glaube nicht, dass wir da viel weiterdiskutieren müssen.“

Verkehrslandesrat Hans Mayr konnte sich zum Bericht inhaltlich noch nicht äußern, weil er diesen trotz mehrfacher Anfrage nicht erhalten habe. „Es war von Anfang an klar, dass Rehberg den Auftrag hatte, das Projekt zu vernichten“, so der Landesrat zur APA.