Internationale Pressestimmen zum Treffen Merkel-Trump

Berlin/Washington (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit dem Treffen zwischen der deutschen Bundeskanzleri...

Berlin/Washington (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit dem Treffen zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump. Die spanische Zeitung „El Pais“ schreibt:

„Der Präsident der Vereinigten Staaten träumt davon, Mauern zu bauen. Die deutsche Kanzlerin hat am eigenen Leib die Diktatur hinter einer solchen Mauer erlebt. Aus dieser Distanz heraus haben beide versucht, eine Beziehung wieder herzustellen, die sich auf einem historischen Tiefpunkt befindet. (...) Merkel hatte auch die Wahl im September im Blick, wo jedes Ungleichgewicht tödliche Folgen für sie haben kann. Denn Trump ist in Deutschland höchst unbeliebt. (...) Vor dem US-Präsidenten Schwäche zu zeigen, könnte viele Wählerstimmen kosten, aber sich zu weit zu entfernen ebenso. Darunter würde die Wirtschaft leiden. Deshalb hat Merkel einen Kurs der Äquidistanz eingeschlagen.“

„Il Messaggero“ (Rom):

„Ein erstes frostiges Treffen war das zwischen Angela Merkel und Donald Trump. Der Ton vor den Medien war höflich, aber nie enthusiastisch. Die Kommentare waren taktisch geeicht, aber nie warmherzig. Die beiden Führungsfiguren könnten keine unterschiedlichere persönliche und politische Geschichte haben. Das Einzige, was sie zusammengeführt hat, sind die Interessen ihrer jeweiligen Länder.“

„Lidove noviny“ (Prag):

„Kann sich Angela Merkel mit Donald Trump verständigen? Nun haben sich beide erstmals persönlich getroffen, aber auf der Basis dieser kurzen Begegnung kann man noch keine Schlüsse auf das persönliche Verhältnis ziehen. Denn dieses muss sich erst noch entwickeln. Und oft geschieht dies entgegen aller Erwartungen. Als der damalige US-Präsident George W. Bush in Europa angefeindet wurde, verstand sich die Kanzlerin überraschend gut mit ihm. Davon zeugen Bilder, wie Bush sie mit dem Jeep auf seiner Ranch herumfuhr. (...) Dafür, dass Trump Merkel zu sich nach Florida einlädt, ist es noch zu früh.“

„De Standaard“ (Brüssel):

„Die Temperamente der beiden sind derart unterschiedlich, dass diese Beziehung für Merkel eine besondere Herausforderung darstellt. Wie soll die besonnene, kühl und schlicht wirkende Bundeskanzlerin mit dem impulsiven, selbstverliebten und oft exzentrischen Milliardär-Präsidenten umgehen? Und vor allem: Können die beiden überhaupt inhaltliche Übereinstimmungen finden? Es gibt unzählige Probleme, bei denen sie unterschiedlicher Auffassung sind. Migration und Flüchtlinge ist nur eines davon. Bei den Themen Russland, NATO, Europäische Union - Trump hat den Brexit bejubelt - sowie beim Klimawandel und beim Welthandel sieht das nicht anders aus.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Der Eklat ist - natürlich - ausgeblieben. Dies, obschon Präsident Trump im Wahlkampf über seinen Gast einige üble Dinge gesagt hatte und die deutsche Kanzlerin vor den Bundestagswahlen sicherlich noch einige weitere Bemerkungen über den amerikanischen Präsidenten wird machen müssen, wenn sie das Feld der in Deutschland verbreiteten Abneigung gegenüber Trump nicht ihrem Widersacher von der SPD überlassen will.

Bundeskanzlerin Merkel und ihr Gastgeber im Weißen Haus versuchten aber auch nicht, Nähe vorzutäuschen. Man blieb im Ton und in der Körpersprache vielmehr auf respektvoller Distanz. Merkel rief den oft vergessenen Grundsatz in Erinnerung, dass gewählte Staats- und Regierungschefs vor allem die Interessen ihrer Staaten zu vertreten hätten, womit sie sich selber und auch Präsident Trump erlaubte, den Willen zu unterstreichen, diese Interessen wo immer möglich in einem Rahmen zu vertreten, der beiden, in vielem eng verbundenen Ländern Vorteile bringen würde.“

„New York Times“:

„Ms. Merkel stutzte kaum merklich, beschäftigte sich damit, ihre Unterlagen zu ordnen. Sie lächelte dünn und sagte nichts, als ob sie beschlossen hätte, sich nicht in Mr. Trumps politische Dramen hineinziehen zu lassen.

So war es während Mr. Trumps gesamtem ersten Treffen mit Ms. Merkel, eine unbehagliche Begegnung, die die am genauesten beobachtete in seiner jungen Präsidentschaft war und einen übergroßen Symbolismus bekam: Der große Zerstörer tritt der letzten Verteidigerin der liberalen Weltordnung gegenüber.

Welten trennen sie in Stil und Politik, doch Mr. Trump und Ms. Merkel wollten zeigen, dass sie zusammenarbeiten, als sie Seite an Seite im East Room des Weißen Hauses standen. Aber sie konnten den Graben, der sie beim Thema Handel, Einwanderung und einer Reihe anderer heikler Fragen trennt, nicht verbergen.“