„Ghost - Nachricht von Sam“ spukt mit Action über Linzer Musicalbühne

Linz (APA) - Als Kinofilm war sie ein Hit, die tragisch-romantische Liebesgeschichte von Molly und Sam, gewürzt mit Crime und Humor. Im Linz...

Linz (APA) - Als Kinofilm war sie ein Hit, die tragisch-romantische Liebesgeschichte von Molly und Sam, gewürzt mit Crime und Humor. Im Linzer Musiktheater mutierte „Ghost - Nachricht von Sam“ Samstagabend zu einem nicht minder großen Musical in temperamentvoller Inszenierung mit beeindruckenden Darstellern und schwungvoll popiger Musik auf einer dynamischen Bühne. Das Publikum dankte mit Standing Ovations.

Ja, auch Sam, von einem Räuber getötet und als Geist auf der Erde geblieben, kann auf der Bühne durch geschlossene Türen gehen, und Gegenstände bewegen sich geisterhaft von allein. Ohne Specialeffects lässt sich ein Thema kaum umsetzen, in dem ein Wesen ohne Materie als Hautrolle herumspukt. So engagierte Regisseur Matthias Davids für die deutsche Erstaufführung des Musicals den Illusionisten Nils Bennet, der für den Zauber sorgte.

Genauso wenig verzichtet Linz auf den Schmachtfetzen „Unchained Melody“. Mehrmals wird er angespielt, jedes Mal neu arrangiert. Zu Beginn präsentiert ihn Riccardo Greco als noch lebender Sam auf der Gitarre augenzwinkernd als Elvis-Verschnitt. In der berühmten Töpferszene hört die trauernde Molly aus dem Radio die Filmversion und der geisterhafte Geliebte setzt versetzt ein. Zum Schluss, bevor sich Sam endgültig in das Reich der Toten verabschiedet, da seine Mission erfüllt ist, er Freund Carl als Auftragsmörder überführt und auch Molly vor ihm gerettet hat, wird aus „Unchained Melody“ ein geradliniges Liebesduett. Man ertappt sich dabei, dass man den Song sogar gerne einmal in voller Länge auf der Linzer Bühne gehört hätte.

Doch Davids gibt der Kriminalgeschichte viel Raum, macht daraus einen Action-Thriller, der durch die sich permanent verändernde Bühne an Fahrt aufnimmt. Autor Bruce Joel Rubin, der nicht nur für den Film sondern auch für das Musical das Drehbuch schrieb, habe im Skript an „die gefühlte 400 Spielorte“ gewählt, wie der Regisseur vor der Premiere schilderte. Hans Kudlich sah sich vor der Herausforderung, diese Szenen umzusetzen, „ohne schwerfällig zu werden“. Dazu entwarf er ein raumfüllendes Gerüst, auf das Videos projiziert werden. Hinzu kommen selbstfahrende Elemente, so dass das Bühnenbild ständig in Bewegung ist. Es folgt nicht eine Szene nach der anderen, sie gehen fließend ineinander über.

Den komischen Part des Stücks übernimmt Wahrsagerin Oda Mae. Ana Milva Gomes spielt diese angebliche Spiritistin mit viel Witz, die angehende Dancing-Star-Teilnehmerin punktete in der Premiere auch gesanglich und tänzerisch. Das galt genauso für den Rest des Ensembles. Anais Lueken als Molly trug trotz ihrer tragischen Rolle nicht zu dick auf. Auch Greco verzichtete als verzweifelter Sam auf Schmalz in seiner Stimme. Lediglich Peter Lewys Preston blieb in der Rolle des Carl etwas blass. Ein Highlight war hingegen Gernot Romic als punkiger U-Bahn-Geist. Er rappte, lieferte sich eine tempogeladene Auseinandersetzung in der U-Bahn mit Sam und verabschiedete sich mit einem waghalsigen Sprung in den Orchestergraben.

Musik und Gesangstexte stammen von keinen Geringeren als dem Briten Dave Stewart und dem Amerikaner Glenn Ballard. Stewart wurde durch die mit Annie Lennox gegründete Band Eurythmics bekannt und Ballard schrieb u. a. für Michael Jackson den Hit „Man in the Mirror“. Für „Ghost“ verzichteten sie auf das gängige Musicalstrickmuster „Hast du ein Gefühl, dann sing ein Lied“, ein popiger Sound durchwebt die Handlung, aus der Songs heraustreten.

Die erst 2013 mit der Eröffnung des neuen Musiktheaters am Volksgarten ins Leben gerufene Musicalsparte gedeiht jedenfalls prächtig. So ging Stage Entertainment, eine der führenden Unternehmen im Live-Entertainment, wegen des „künstlerischen Anspruchs“ der Linzer Produktionen mit den Oberösterreichern eine Kooperation ein. Diese Zusammenarbeit ermöglichte jetzt eine Inszenierung, die sich das Haus so hätte niemals leisten können und die beim Publikum frenetischen Applaus erntete. Im Dezember geht die Produktion dann nach Berlin.

(S E R V I C E - „Ghost - Nachricht von Sam“, Musik und Gesangstexte von Dave Stewart und Glen Ballard nach dem gleichnamigen Film von Jerry Zucker, Deutsch von Ruth Deny und Roman Hinze, in deutscher Sprache mit Übertiteln. Musikalische Leitung: Stefan Diederich/Borys Sitarski, Inszenierung: Matthias Davids, Choreografie: Lee Proud, Bühne und Videodesign: Hans Kudlich, Kostüme: Leo Kulas, Dramaturgie: Arne Beeker, Mit: Riccardo Greco (Sam Wheat), Anais Lueken/Ruth Fuchs (Molly Jensen), Ana Milva Gomes/Zodwa Selele (Oda Mae Brown), Peter Lewys Preston/Gernot Romic (Carl Brunner), Mischa Kiek (Willie Lopez/Ensemble), Rob Pelzer (Krankenhausgeist/Ensemble), Gernot Romic (U-Bahn-Geist/Ensemble), Ariana Schirasi-Fard (Clara/Ensemble), Gina Marie Hudson (Louise/Ensemble) u.a., Musiktheater Linz, Großer Saal. Weitere Vorstellungen: 20., 28., 30. März, 2., 7., 9., 26., und 30. April. Infos unter www.landestheater-linz.at)