Brustkrebskonferenz 2 - Mehr brusterhaltende Eingriffe

Wien (APA) - In der Fachsprache wird die medikamentöse Behandlung bei einer Karzinomerkrankung noch vor der Operation „neoadjuvante“ Therapi...

Wien (APA) - In der Fachsprache wird die medikamentöse Behandlung bei einer Karzinomerkrankung noch vor der Operation „neoadjuvante“ Therapie genannt. Sie soll das Karzinom möglichst verkleinern. Manchmal gelingt es sogar soweit zu kommen, dass die Pathologen später überhaupt keine vitalen Krebszellen im Operationspräparat mehr finden.

Diese Erfolge führen aber zu neuen Fragen. Bei der St. Gallen Brustkrebskonferenz in Wien diskutierten die Experten am Ende, wie groß der chirurgische Eingriff nach einer solchen neoadjuvanten Verkleinerung des Tumors sein sollte: eben im Ausmaß des bei Diagnose bestandenen Karzinoms oder gemäß der Größe nach der medikamentösen Behandlung. „Es ist klar festgestellt worden, dass zum Beispiel bei einer Verkleinerung des Tumors durch die neoadjuvante Therapie von fünf auf zwei Zentimeter eben dann der zwei Zentimeter große Tumor chirurgisch entfernt werden sollte (kein Eingriff nach der ursprünglichen Größe; Anm.)“, sagte der Wiener Brustkrebsspezialist Michael Gnant gegenüber der APA.

Die neoadjuvante Therapie und die Rücksichtnahme auf die damit erreichte Größe des Karzinoms unmittelbar vor dem chirurgischen Eingriff - natürlich mit einem kleinen Sicherheitsabstand sollte in der Zukunft die Operationen noch kleiner machen. Das könnte auch die Rate der brusterhaltenden Chirurgie weiter steigern.

Die dritte wesentliche neue Empfehlung der internationalen Brustkrebsexperten zielt auf eine unterstützende medikamentöse Therapie nach der Operation bei hormonabhängigem Brustkrebs ab: Sowohl bei Patientinnen nach der Menopause mit antihormoneller medikamentöser Behandlung als auch bei jüngeren Frauen, die eine solche Therapie bei hormonabhängigen Brustkrebs erhalten, sollte zusätzlich noch eine Behandlung mit sonst bei der Osteoporose eingesetzten Medikamenten erfolgen (z.B. Bisphosphonate).

Wesentliche wissenschaftliche Studien dazu erfolgten in den vergangenen Jahren im Rahmen der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG), welche Gnant leitet: Die „Knochenhärter“ haben nämlich einen vorbeugenden Effekt gegen das Auftreten von Fernmetastasen bei Brustkrebs und senken so die Rückfallsrate, was längerfristig auch die Sterblichkeit der Patientinnen deutlich reduziert.