Das Ziel heißt Elysee-Palast
Paris (APA/AFP) - Fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht das Bewerberfeld fest. Die wichtigsten Kandidaten für die Nac...
Paris (APA/AFP) - Fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht das Bewerberfeld fest. Die wichtigsten Kandidaten für die Nachfolge von Staatschef Francois Hollande und ihre Wahlprogramme im Überblick:
Politik-Jungstar mit großen Ambitionen: Mitte-Kandidat Emmanuel Macron
Der parteilose Ex-Wirtschaftsminister ist überraschend zum Favoriten geworden und könnte mit nur 39 Jahren als jüngster französischer Präsident in den Elysee-Palast einziehen. Der sozialliberale Reformpolitiker umwirbt insbesondere Wähler der politischen Mitte. Der frühere Investmentbanker will unter anderem den Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenversicherung und das Rentensystem reformieren und verspricht, „Freiheit“ für Unternehmen und „Schutz“ für Arbeitnehmer miteinander zu versöhnen. Außerdem wirbt der Pro-Europäer für eine Vertiefung von EU und Eurozone, und er will die Defizitgrenze von drei Prozent einhalten.
Rechtspopulistin mit großem Machthunger: Front-National-Chefin Marine Le Pen
Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Front National (FN) könnte im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten. Einen Sieg in der entscheidenden Stichwahl halten Meinungsforscher aber für unwahrscheinlich. Die 48-jährige Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen will Frankreich aus der EU führen, die Einwanderung drastisch beschränken und einen weitgehenden Wirtschaftsprotektionismus durchsetzen. Wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre im EU-Parlament ermittelt die Justiz, Le Pens Umfragewerten schadet das aber bisher nicht.
Einstiger Favorit in Schwierigkeiten: Der Konservative Francois Fillon
Eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau hat den lange als Präsidentschaftsfavoriten gehandelten Fillon ins Straucheln gebracht. In Umfragen ist der frühere Premierminister auf den dritten Platz abgesackt und würde es damit nicht in die Stichwahl schaffen. Der 63-Jährige setzt auf liberale Wirtschaftsreformen, will die 35-Stunden-Woche abschaffen, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und die Staatsausgaben um 100 Mrd. Euro senken. Innenpolitisch fährt der Konservative einen harten Kurs, außenpolitisch will er die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verbessern.
Parteilinker mit schwerem Stand: Der Sozialist Benoit Hamon
Mit einem ausgesprochen linken Wahlprogramm gewann der Hollande-Kritiker Hamon im Jänner überraschend die Vorwahl der regierenden Sozialisten. Der 49-jährige Parteilinke wirbt unter anderem für ein bedingungsloses Grundeinkommen, will den Mindestlohn und Sozialleistungen anheben, neue Unternehmenssteuern einführen und den Umweltschutz stärken. Der Abgeordnete und frühere Bildungsminister ist ein Bündnis mit den Grünen eingegangen, stößt im rechten Flügel der eigenen Partei aber auf viele Vorbehalte. In Umfragen landet er abgeschlagen auf dem vierten Platz.
Wortgewaltiger Linksaußen: Jean-Luc Melenchon
Der einstige Sozialist und Gründer der Linkspartei sieht sich als den wahren Vertreter der französischen Linken. Die Politik von Staatschef Hollande hat er unablässig als zu unternehmerfreundlich kritisiert. Der 65-Jährige schlägt unter anderem ein 100 Mrd. Euro schweres Investitionsprogramm vor, um das schwache Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Außerdem will er die EU-Verträge neu verhandeln - und wirbt ansonsten für einen Austritt aus der EU. In Umfragen liegt der auch von den Kommunisten unterstützte Melenchon derzeit auf dem fünften Platz.
(Sonntagswiederholung)