Schönwieser Jagdvergabe wurde zum Alpenkrimi

Für die Jagdverpachtung gingen sieben Angebote ein – der Höchstbieter kam nicht zum Zug. Ein Gemeinderat kündigte deshalb eine Beschwerde an.

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Die Vergabe um die Schönwieser Jagd war spannend – Schönwieser erhielten den Zuschlag.
© Keystone

Von Matthias Reichle

Schönwies –So voll war der Sitzungssaal der Gemeinde Schönwies schon lange nicht mehr. Die Bewerber um die beiden Jagden Alpe-Larsenn und Schönwies-Nordseite (insgesamt 2300 Hektar) standen bis vor die Türe, um zu kiebitzen. Nachdem die beiden Reviere der Gemeindegutsagrargemeinschaft Langesberg-Larsenn im Februar gemeinsam zur Neuverpachtung ausgeschrieben worden waren, meldeten sich sieben Interessenten. Mit einer erheblichen Spanne beim angebotenen Pachtzins zwischen 12.000 Euro und 23.700 Euro netto pro Jahr.

Dass schließlich das zweitniedrigste Angebot zum Zug kam, der Schönwieser Jagdverein mit einem Pachtzins von 13.000 Euro pro Jahr, könnte nun Folgen haben. Gemeinderat Peter Raggl kündigte jedenfalls an, gegen die Entscheidung Beschwerde einzureichen.

Die Bürgermeisterliste rund um Willi Fink (SPÖ) hatte aus den Sympathien für den Jagdverein nie einen Hehl gemacht: „Man soll die Jagd in Schönwies lassen“, so fasste der Dorfchef die einhellige Meinung seiner Liste zusammen. Der Jagdverein, der sich 2014 eben zum Zweck, die beiden Jagden zu bewirtschaften, gegründet hatte, würde Einheimischen insgesamt zehn Jagdkarten zur Verfügung stellen und zusätzlich alle zwei Jahre drei Karten verlosen. „In zehn Jahren könnten 20 bis 25 Schönwieser der Jagd frönen. Das war der ausschlaggebende Punkt, dass es der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.“ In der Ausschreibung hatte man kein Bestbieterkriterium festgelegt.

Einen Verein als Pächter wollte die Liste „Für Schönwies“ partout nicht. „Wir wollen einen Pächter, der die Verantwortung trägt“, erklärte Gemeinderat Reinhard Raggl.

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Die beiden höchsten Angebote – beide aus dem Zillertal – fielen aber auch bei ihnen durch den Rost. „Bestbieter“ war aus ihrer Sicht der bisherige Pächter, der Zammer Erwin Bouvier, der die Jagd seit 36 Jahren betreut und 18.200 Euro bot. Auch er wollte fünf Jagdkarten an Schönwieser ausgeben. Für ihn war nicht nur die Liste „Für Schönwies“, sondern auch die SPÖ-Fraktion voll des Lobes. „Es ist eine schwierige Entscheidung“, betonte Bürgermeister Fink. „Brüskierend“ fand es hingegen Peter Raggl (Für Schönwies), Bouvier die Jagd nicht zu geben: „Er ist klar Bestbieter. Es gibt keinen Grund, ihm die Jagd nicht zu überlassen. Ich finde es unfair, nach 36 Jahren zu sagen, jetzt kannst du dich vertschüssen.“ Die Differenz zwischen Bouvier und dem Jagdverein betrage in zehn Jahren 50.000 Euro – ein Argument, das ihm von SPÖ-Seite zurückgegeben wurde, denn auch Raggl war nicht für den Höchstbieter.

Zünglein an der Waage war schließlich die Schönwieser Bürgerliste mit Gemeinderat Peter Bartl, der sich ebenfalls zum Jagdverein bekannte. Das Ergebnis fiel 8:5 aus.

Raggl kündigte jedenfalls an, die Entscheidung prüfen zu lassen und eine Aufsichtsbeschwerde einzureichen. Der Bürgermeister müsse als Substanzverwalter schauen, dass die Agrar wirtschaftlich geführt werde. Die Jagdpacht sei die Haupteinnahmequelle, man würde ins Minus schlittern.

BM Fink erläuterte später bei der Jahresrechnung ebendieser Agrargemeinschaft, dass Einnahmen ohnehin von der Hauptagrar umgeschlichtet werden, um die kleine Gemeinschaft am Leben zu halten.


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