Forscher trainieren Hirnzellen als Ersatz für Parkinson-Verluste um
Nicht-Nervenzellen des Gehirns werden bei der neuen Methode umprogrammiert und erfüllen die Aufgabe der durch Parkinson-Krankheit abgestorbenen Neuronen.
Wien – Die Parkinson-Krankheit tötet Nervenzellen im Gehirn, die wichtig für das Steuern von Bewegungen sind. Einem Forscherteam mit österreichischer Beteiligung gelang es, andere Gehirnzellen so umzuprogrammieren, dass sie die Funktion der abgestorbenen Zellen erfüllen. Parkinsonkranke Mäuse konnten daraufhin wieder besser laufen, berichten die Forscher im Fachjournal „Nature Biotechnology“.
Unter der Leitung von Ernest Arenas vom Karolinska Institut in Stockholm (Schweden) haben sie menschliche „Astrozyten“ (sternförmige Zellen) mit einem Cocktail gefüttert, der aus Eiweißstoffen, einer Nukleinsäure und anderen Wirkstoffen besteht. Durch diese Behandlung entwickelten sich aus den Astrozyten solche Nervenzellen, die bei Parkinson-Patienten verloren gehen (Dopamin produzierende Neuronen).
Die Astrozyten sind selbst keine Nervenzellen, sondern betten diese ein, schützen sie, und versorgen sie mit wichtigen Stoffwechselprodukten, erklärte Tibor Harkany vom Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien im Gespräch mit der APA. „Wenn bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson Neuronen (Nervenzellen) getötet werden, nehmen Astrozyten in der Regel räumlich ihren Platz ein“, sagte er.
Deshalb wäre es sehr praktisch, dass sie nach dem Umprogrammieren auch deren Funktion erfüllen können. Bisherigen Therapieversuche zielten vor allem darauf ab, funktionierende Nervenzellen in das Gehirn zu transplantieren, was viel umständlicher ist.
Die Gehirnforscher behandelten mit dem Wirkstoff-Cocktail auch Parkinson-kranke Mäuse. Diese konnten daraufhin wieder besser gehen und laufen, die Symptome wurden also teilweise verbessert. Bis man klinische Untersuchungen bei Menschen machen kann, sei allerdings noch „substanziell mehr Forschung“ nötig, erklärten sie. (APA)
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