Bezirk Imst

Sölden zeigt Interesse an eigenem Glasfasernetz

© Ploder

Die Firma Planet digital bietet der Gemeinde ihr bestehendes Netz an. Der Gemeinderat ist nicht abgeneigt, benötigt aber noch Fakten.

Sölden –Wie das rege Interesse der Zuhörer an den Gemeinderatssitzungen in Sölden zeigt, reagiert die Bevölkerung sehr sensibel auf die Argumentationen und die Entscheidungsprozesse ihrer Kommunalpolitiker. Nach der letzten Gemeinderatswahl vor rund einem Jahr überschatteten einige Monate lang heftige Auseinandersetzungen die sachorientierte Zusammenarbeit im Dorfparlament. Klärende Gespräche abseits der Öffentlichkeit führten zu einer spürbaren Verbesserung der Diskussionskultur im Sitzungszimmer. Parallel dazu wurde allerdings die Konfliktebene auf Internetseiten, soziale Medien, Presseaussendungen etc. verlagert, was spürbare Rückwirkungen auf die Debatten im Gemeinderat auslöste.

Eine Tagesordnung sah unter anderem die Entscheidung über einen Grundsatzbeschluss vor, ob die Gemeinde das bestehende Glasfasernetz der Firma Planet digital zum Preis von 1,8 Millionen Euro auf Grundlage des Schätzgutachtens eines Sachverständigen erwerben solle. Weil dieser Betrag im Haushalt 2017 nicht untergebracht werden kann, bot Planet digital eine Zahlung in fünf gleichen Raten ab 2018 an. Man räume nach einem entsprechenden Grundsatzbeschluss in Längenfeld der Gemeinde Sölden ein Vorkaufsrecht zu besonders günstigen Konditionen ein, bei einer Ablehnung würde die Infrastruktur an das ebenfalls interessierte Telekommunikationsunternehmen A1 verkauft.

A1 habe dazu bereits angekündigt, gleichzeitig auch die Förderung, die pro Gemeinde nur einmal vergeben werden kann, zu beantragen. Während der Neubau solcher Anlagen vom Land mit 75 Prozent gefördert wird, gilt diese Regelung für den Kauf bestehender Anlagen nicht. „Das Pitztal hat beim Kauf einen einmaligen Münzwurf erhalten“, formulierte Bürgermeister Ernst Schöpf, „der meiner Meinung nach auch uns zustehen sollte.“ Nach Vorgesprächen mit der zuständigen Landesabteilung dürfte eine Einmalförderung zwischen 150.000 und 250.000 Euro betragen.

Während Planet digital sein bestehendes Netz auch nach dem Verkauf weiter betreiben und die Gemeinde mit Provisionen zwischen zehn und 20 Prozent an den Umsätzen beteiligen will, lehnte der zweite Netzbetreiber in Sölden, Kabel-TV Falkner, einen Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt kategorisch ab. Es wird also auch in Zukunft in Sölden mindestens zwei Kabelnetzanbieter geben, wobei die Frage des weiteren Netzausbaus geklärt werden muss.

Obwohl Einigkeit herrschte, dass derartige Infrastruktur in Gemeindehand liegen solle, wurde die Entscheidung bis zum Vorliegen umfassender Hintergrundinformationen vertagt. In den Tagen nach dem Osterwochenende werden Experten des Landes nach Sölden gebeten, um die technischen und kaufmännischen Rahmenbedingungen sowie die absehbaren zukünftigen Entwicklungen detailliert zu erörtern. Ein Grundsatzbeschluss soll dann in der nächsten Gemeinderatssitzung fallen. (tp)