Abschussquote löste keine Freude aus
Die Beunruhigung des Schalenwildes nimmt nicht gekannte Ausmaße an: Jäger werden mittels Drohnen am Hochstand gefilmt oder Schatzsucher sind mit GPS-Geräten mitten im Wald am Weg.
Von Helmut Mittermayr
Reutte –„Mit gemischten Gefühlen steh’ ich da. Letztes Jahr hab’ ich noch in guter Erinnerung. Wobei, das trifft es nicht ganz!“ Bezirkshauptmann Konrad Geisler eröffnete seine Rede bei der Trophäenschau in der Sporthalle Reutte mit einem Schuss Ironie und erinnerte indirekt an den Eklat des vergangenen Jahres. Angesichts einer nur 68-prozentigen Erfüllung der Jagdvorgaben war es zu Wortgefechten gekommen. Heuer blieb alles ruhig, obwohl die Zahlen vielleicht dieselben sein könnten. Der Unterschied: Behördenchef Geisler war den Jägern bei den Abschussvorschreibungen stark entgegengekommen. „Wir haben Milch gegeben, die Vorschreibungen waren moderat.“ Mit der Erfüllungsquote war Konrad Geisler dann „nicht ganz zufrieden“. In vielen Revieren sei der Abschussplan erfüllt worden, „aber in einigen Jagden fehlt es grob. Hier werden wir nachbessern müssen.“
Wie grob es fehlt, war der emotionalen Stellungnahme von Bezirksjägermeister Arnold Klotz zu entnehmen. „Leider müssen wir uns eingestehen, dass wir es letztes Jahr wieder nicht geschafft haben, die geforderten 100 Prozent zu erfüllen.“ Mit 84 Prozent befände sich das Außerferner Ergebnis ohne Tbc-Überwachungsgebiet zwar im Tiroldurchschnitt, dies sei aber keineswegs befriedigend. „Unser Bezirkshauptmann hat uns Zahlen vorgegeben, die [...] für die meisten Reviere erfüllbar gewesen wären. Mit der Zahl von 2200 Stück Rotwild hat er sich bei Forst- und Jagdbehörde keine Freunde gemacht“, stellt Klotz klar. Einige Reviere seien wohl der Auffassung, dass 80 Prozent genug seien – mit den bekannten Nachwehen der Rechtfertigungen und Verwaltungsstrafen. Klotz erklärte, dass er langsam verstehen könne, wenn die Jagdbehörde einen Abschuss von 120 Prozent vorschreibe, um zumindest 100 zu bekommen. Als Vorzeigejagd hob er die Hegegemeinschaft Zwischentoren hervor, die über die Vorgaben hinaus alle Abschüsse erfüllt hatte.
Klotz verwies aber auch auf immer schwierigere Rahmenbedingungen bei der Bejagung. „Die Beunruhigung unseres Schalenwildes wird immer extremer. Neben Pilzesuchern, Mountainbikern, Schneeschuhwanderern, Tourengehern, Downhillern, Crossläufern und Trailfahrern gibt es immer neue Aktivitäten, die die Jagd massiv stören.“ Er brachte jüngste Beispiele von alpinen Schatzsuchern mit GPS-Geräten, Drohnen, die in der Dämmerung Jäger auf dem Hochstand filmen, und Wanderern, die beim Zunachten lärmend durch die Rotwildfütterung poltern.
Für Schmunzeln im Saal sorgte Bezirkshauptmann Geisler, als er erklärte, dass auch die Lebensmittelaufsicht der BH Reutte unter die Jäger gegangen sei. „Sie haben einen Hirsch abgeschossen – mit dem Auto. Das ist keine Lösung, zu teuer.“
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