„Die Zeit des Wartens ist vorbei“
Emotionsgeladen, aber konstruktiv verlief die Diskussion über die Zukunft des Lienzer Hauptplatzes beim TT-Forum. Signalisiert der Gemeinderat grünes Licht, wird der Startschuss für die Neugestaltung für Frühjahr 2018 angepeilt.
Von Claudia Funder
Lienz –Was lange währt, wird endlich gut. Diese viel bemühte Redewendung könnte schon bald auch auf den Lienzer Hauptplatz zutreffen. Beim TT-Forum im Kolpingsaal demonstrierten am Mittwochabend die Podiumsgäste jedenfalls im Bemühen um einen Ausgleich aller Interessen und im Ziel einer raschen Neugestaltung Einigkeit. Der in die Jahre gekommenen Fläche soll nach intensiver Vorarbeit nun endlich ein neues Gesicht verpasst werden – in gemeinsamer Gangart.
BM Elisabeth Blanik (SP), Gemeinderat Christian Steininger (VP), Peter Paul Rohracher (Obmann Hauptplatzverein) und Reinhard Lobenwein (Bezirksstellenleiter Wirtschaftskammer) standen TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern Rede und Antwort. Sie bekräftigten sachlich ihre Positionen und redeten Klartext, holten dabei aber nicht zu verbalen Attacken aus.
Der bisherige Prozess zur Aufwertung des Platzes sei ein gemeinschaftlicher und konstruktiver gewesen, betonte GR Christian Steininger, bedauerte aber: „Schade, dass man diesen Weg durch ein politisches Drüberfahren mit einem Schönheitsfehler versehen hat“, und sprach damit den „Schnellschuss“ an, mit dem im vergangenen August noch vor Abschluss des Konzeptes für den Platz die ganzjährige Fußgängerzone im Gemeinderat durchgepresst worden war. „Ich hoffe, dass die Entwicklung von uns allen in Einstimmigkeit getragen wird“, betonte Steininger.
„Wir sind nicht drübergefahren, aber es war Zeit, zu handeln“, konterte die Stadtchefin und stellte klar: „Seitdem habe ich das Gefühl, dass Bewegung ins Spiel kommt.“
Der Verein zur Förderung des Lienzer Hauptplatzes hat diesen Druck verspürt, ihm standgehalten und das Konzept gemeinsam mit dem Stadtmarketing zu Ende gezimmert. Das Ergebnis soll im Mai dem Gemeinderat serviert werden. Obmann Peter Paul Rohracher ließ sich vorab noch nicht näher in die Karten schauen, verriet aber: „Das Konzept, das ich präsentieren werde, enthält die Möglichkeit, einige Parkplätze zu errichten, wenn man das will. Unser Vorschlag ist, dass für einen Teilbereich die gleiche Verkehrsregelung kommt wie am Johannesplatz und in der Rosengasse.“ Angedacht ist, dass Taxis, Lieferanten und Anrainer in eingeschränktem Maß fahren können. Eine so genannte Shared-Space-Variante wird ins Auge gefasst.
Reinhard Lobenwein nannte den Hauptplatz „das Gesicht der Stadt. Je achtsamer man mit den Leuten umgeht, desto eher wird es funktionieren.“ Es gehe um Ästhetik und Qualität. Auch Lobenwein fand das Timing ungünstig: „Es wäre schön gewesen, das Ende des Prozesses abzuwarten und erst dann die Fußgängerzone zu probieren.“
Ziel der Politik müsse sein, einen Ausgleich der Interessen zu suchen und zu einer Kompromisslösung zu kommen, erklärte Steininger. Eine temporäre Parkfläche in einem Teil der Fußgängerzone wäre für ihn ein gangbarer Weg. „Der Platz ist so zu gestalten, dass alle damit leben können und er attraktiv wird.“
Alle wichtigen Parameter flossen in das Konzept ein, von Gestaltungsvorschlägen über Bespielung und Begrünung bis hin zu Themen wie Beleuchtung und Sicherheit, um nur einige zu nennen. „Nächstes Jahr kommt das absolute Rauchverbot in der Gastronomie“, erklärte Blanik. Damit werde sich manches nach außen verlagern. Das sei ein Aspekt, den man ebenfalls berücksichtigen müsse. „Der Platz ist das Wohnzimmer aller Lienzer, sie finanzieren ihn auch mit“, stellte die Bürgermeisterin klar. Er habe auch die Funktion des öffentlichen Lienz.
Das Publikum brachte sich rege in die Diskussion ein und stieß sich vor allem an der ganzjährigen Fußgängerzone. Wirtschaftsbundobfrau Silke Steiner glaubt, dass die Umsatzeinbußen der Kaufleute im Winter mit dieser zu tun hatten: „Kunden brauchen Parkplätze. Meine Anregung ist, diese Entscheidung bis zur Konzeptumsetzung zurückzunehmen.“ Die Unternehmerin und Immobilienbesitzerin Brigitte Rossbacher stieß in dasselbe Horn: „Die Kunden haben im Winter die Stadt gemieden. Die Umsatzeinbußen sind nicht aufzuholen. Ohne Umsätze sind auch die Mieter weg. Meine Devise ist: Funktion vor Design.“
Blanik sieht das anders: „Ich kenne kaum eine Stadt, die unmittelbar um ihren Hauptplatz so viele Autostellplätze hat.“ Viel Raum für Fahrzeuge werde es am neuen Hauptplatz sicher nicht geben.
Rudolf Unterweger wünscht sich, „dass der Hauptplatz endlich attraktiv gestaltet und das Projekt nicht zum Rohrkrepierer wird“.
Eine Befürchtung, die wohl unbegründet zu sein scheint, zeigte doch das TT-Forum, dass man längst über die Parteigrenzen hinweg an einem Strang zieht. Die Gemeinde sei es auch, die den Zeitplan vorgibt, erklärte Blanik: „Wir werden für nächstes Jahr Geld budgetieren, die Gestaltung aber in Etappen angehen.“ Angedacht sei die Realisierung von West nach Ost. „Wenn der Gemeinderat zustimmt, können wir 2018 mit der Neugestaltung beginnen“, erklärt Blanik. Bald sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, denn: „Die Zeit des Wartens ist vorbei“, stellte Blanik unmissverständlich klar. „Es ist nicht wenig Geld, das wir in die Hand nehmen, aber die Stadt wird bereit sein, es auszugeben.“ Die Fäden ziehen werde man auch für den Erhalt einer Förderung des Bundes. Höhe: 250.000 Euro.
Angedacht ist, die Oberflächengestaltung analog der Oberen Altstadt fortzuführen und das Projekt bis B100 und Mobilitätszentrum weiterzudenken. Auf die Hauptplatz-Fläche umgerechnet würde das in diesem Fall Kosten von knapp 2,5 Mio. Euro ergeben.
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