Frankreich-Wahl - Kurzporträts: Melenchon, Hamon und die anderen
Paris (APA) - JEAN-LUC MELENCHON (65, France Insoumise/FI): Der starke Zuspruch für den Linkspolitiker gehört zu den Überraschungen der heur...
Paris (APA) - JEAN-LUC MELENCHON (65, France Insoumise/FI): Der starke Zuspruch für den Linkspolitiker gehört zu den Überraschungen der heurigen französischen Wahlkampagne. Vor allem seit der TV-Debatte vom 20. März sind seine Umfragewerte steil in die Höhe geschnellt. Er steht für eine Linke, die sowohl globalisierungs- als auch europakritisch, aber auch ökologisch auftritt.
Der Europaabgeordnete für das mittlerweile aufgelöste Parteienbündnis „Front de gauche“ (Linksfront) war viele Jahre lang Angehöriger des linken Flügels der Sozialisten (PS) gewesen, unter anderem als Senator, bevor er die Partei 2008 verließ. Bei den Präsidentenwahlen 2012 erhielt Melenchon überraschende elf Prozent der Stimmen. Diesmal präsentiert er sich dezidiert überparteilich an der Spitze der Wahlbewegung „France Insoumise“ (Aufsässiges Frankreich). Besonders intensiv verwendet er in der Kampagne das Internet, etwa seinen YouTube-Kanal, der mittlerweile mehr Abonnenten hat als jener von US-Präsident Donald Trump, wie er gerne betont.
Melenchon ist geschieden, Vater einer Tochter und Großvater einer Enkeltochter. Sein Privatleben hält er gerne unter Verschluss.
BENOIT HON (49, Sozialisten/PS): Hamon gilt als der „Pechvogel“ dieser Wahl: Es machen ihm einfach zu viele Kandidaten seine Wählerschaft streitig. Außerdem tritt er für eine Partei an, die nach der fünfjährigen Amtszeit von Francois Hollande in der Bevölkerung äußerst unbeliebt ist. Dabei gilt der frühere Bildungsminister und Ex-Europaabgeordnete Hamon aus dem linken Flügel der Sozialisten selbst als Hollande-Kritiker. Bei der parteiinternen Vorwahl im Jänner konnte er sich überraschend deutlich gegen den zum rechten Flügel gehörenden Ex-Premier Manuel Valls durchsetzen.
Doch der Proponent eines bedingungslosen Grundeinkommens und Kritiker der EU-Freihandelsabkommen hat es auch nach dieser Entscheidung in der eigenen Partei schwer. Teile der Parteirechten liefen prompt zum Ex-Wirtschaftsminister und favorisierten Kandidaten Emmanuel Macron über, darunter auch Valls, was für dicke Luft in der PS sorgte. Der gefährlichste Konkurrent ist für Hamon jedoch vor allem der ähnliche Positionen vertretende Linkskandidat Melenchon, der ihn mittlerweile in den Umfragen überflügelt hat.
Hamon lebt mit Gabrielle Guallar in einer eingetragenen Partnerschaft (PACS), die in Frankreich auch heterosexuellen Paaren offensteht. Die studierte Politikwissenschaftlerin mit dänischen und katalanischen Wurzeln arbeitet beim Luxusgüterkonzern LVMH. Das Paar hat zwei Töchter.
Neben diesen fünf Kandidaten, die in Umfragen allgemein als die chancenreichsten gelten, treten noch sechs weitere Personen zur Kür des Staatspräsidenten an. Wählend NATHALIE ARTAUD und PHILIPPE POUTOU die radikale Linke vertreten, steht NICOLAS DUPON-AIGNAN für den europakritischen, souveränistischen Gaullismus. Ihm wird unter den „kleinen Kandidaten“ in den Umfragen mit rund 5 Prozent deutlich die meiste Unterstützung zuteil. FRANCOIS ASSELINEAU, ebenfalls ein früherer Gaullist, stellt die Europakritik in den Mittelpunkt seiner Ansichten und lässt sich als „Kandidat des Frexit“ plakatieren. Der Parlamentsabgeordnete JEAN LASSALLE, früher bei der zentristischen Partei MoDem, tritt als unabhängiger Kandidat an. JACQUES CHEMINADE letztlich, der der als „Politsekte“ geltenden US-amerikanischen LaRouche-Bewegung nahesteht, gilt vor allem als Verschwörungstheoretiker.
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