Eishockey

Weber hält trotz Gehaltskürzung am „American Dream“ fest

Trotz finanzieller Einschränkungen verliert Janine Weber ihr großes Ziel, in der nordamerikanischen Frauen-Profi-Eishockeyliga weiter groß aufzuspielen, nicht aus den Augen.
© gepa

Die National Woman Hockey League kämpft mit finanziellen Problemen. Für die Tirolerin Janine Weber ist das allerdings kein Grund, aufzugeben.

Graz - Im Gegensatz zum Männer-Team hat Österreichs Eishockey-Nationalteam der Frauen für die B-WM ab Karsamstag in Graz Verstärkung aus der nordamerikanischen Profiliga erhalten. Die Tirolerin Janine Weber spielt für die New York Riveters in der NWHL, dem kleinen Pendant zur NHL. Die Kluft könnte aber kaum größer sein.

Die National Woman Hockey League nahm im Herbst 2015 mit den vier Clubs Boston Pride, Buffalo Beauts, Connecticut Whale und NY Riveters den Spielbetrieb auf und war die erste Liga, die alle Spielerinnen fix bezahlte. Mindestens 10.000 Dollar erhielt jede Spielerin, die Gehaltsobergrenze betrug 270.000 Dollar je Mannschaft. Doch schon im zweiten Jahr ging das Geld aus. Die Liga verkürzte die Saison auf 17 bzw. 18 Spiele je Team und kündigte Gehaltskürzungen von 50 Prozent an. Eine Finanzspritze von 50.000 Dollar von Duncin Donuts, dem einzigen Sponsor, linderte die Einbußen.

„Es war schwer, als die Gehälter gekürzt worden sind. Wir haben überlegt, uns aber dann doch entschieden, weiter zu spielen. So eine Liga, die alle Spielerinnen bezahlt, hat es vorher noch nicht gegeben“, meinte Weber. „Wir waren schon enttäuscht, haben aber auch verstanden, dass es Anlaufschwierigkeiten gibt. Wenn wir aufgegeben hätten, wäre es schwer gewesen, wieder so eine Liga anzufangen. Die Entwicklung braucht Zeit. Ich hoffe, dass in Zukunft Mädels wirklich professionell spielen und davon leben können. Und sich nicht Sorgen machen müssen, wie ich die Miete zahlen kann“, beschrieb die Tirolerin die Situation.

Die 25-Jährige, die als erste Spielerin überhaupt von der NWHL unter Vertrag genommen worden ist, verdiente in ihrer ersten Saison 19.500 Dollar und hätte im zweiten Jahr 13.500 Dollar erhalten sollen, ehe gekürzt wurde. Also arbeitete sie nebenbei als Trainerin und Babysitterin, um sich das Leben in New York leisten zu können. Dennoch will sie weiter in der NWHL spielen, es soll mit den gleichen vier Mannschaften und den gekürzten Gehältern weiter gehen. Denn sportlich konnte Weber positiv bilanzieren, ihr lief es klar besser als in der Debüt-Saison. Die Stürmerin war drittbeste Scorerin und fünftbeste Torschützin der Liga.

Eishockey-Damen auf den Barrikaden

Um Geld ging es auch in einer anderen Diskussion betreffend Frauen-Eishockey in den USA. Das Frauen-Nationalteam drohte mit Streik bei der Heim-WM, um eine höhere finanzielle Entschädigung und mehr logistische Unterstützung zu erhalten. Letztlich mit Erfolg. „Ich habe es voll cool gefunden. Sie haben den Unterschied zwischen ihnen und den Männern, auch der U18 und der U16, aufgezeigt“, solidarisierte sie sich mit ihren Kolleginnen. Erfolge wie Olympia-und WM-Gold würden für die Mädchen sprechen. „Sie hatten wirklich ein Druckmittel. Ich habe gegen die meisten von ihnen gespielt. Eishockey ist für sie ein Vollzeitjob, sie haben es sich verdient, dass sie dafür entlohnt werden. Das war in allen Nachrichten und war wegen der Aufmerksamkeit vielleicht hilfreich“,

Um Aufmerksamkeit und sportlichen Erfolg geht es für Weber und ihre österreichischen Teamkolleginnen auch ab Samstag. „Wir wollen auf jeden Fall eine Medaille gewinnen“, betonte Weber, die auch schon bei der B-WM in Graz 2009 als damals 17-Jährige dabei war. „Damals war das Ziel, nicht abzusteigen. Jetzt haben wir höhere Ziele. Hoffentlich können wir den Aufwärtstrend fortsetzen“.

Weber erinnert sich aber auch gerne zurück. „Wir hatten immer viele Fans, es war eine super Stimmung. In der Straßenbahn haben uns die Leute erkannt und angesprochen. Es wäre super, wenn wieder viele Leute kommen und wir Werbung für Damen-Eishockey machen könnten. Dass wir neue Fans gewinnen und jüngere Mädchen mit dem Eishockey beginnen“, erklärte die US-Legionärin, der in Amerika eine besondere Ehre zuteilgeworden ist. Webers Schläger, mit dem sie im März 2015 für die Boston Blades das entscheidende Tor im Finale der Canadian Women‘s Hockey League (CWHL) geschossen hatte, ist in der „Hall of Fame“ ausgestellt. (APA)