Wie aus einem Albtraum ein Pop-Märchen wurde
Mit „König Laurins Rosengarten“ realisiert Märchenfestival-Mastermind Walter Steidl einen lang gehegten Traum – im wahrsten Sinne des Wortes.
Von Michael Domanig
Wattens –Am 7. und 8. Juli verwandelt sich die Naturkulisse rund um das Gasthaus Vögelsberg in Wattens in „König Laurins Rosengarten“. Mit der Uraufführung des gleichnamigen Pop-, Rock- und Tanz-Märchens für Erwachsene erfüllt sich Walter Steidl, Mastermind hinter dem Tiroler Sagen- & Märchenfestival Wattens, einen Traum – und zwar im doppelten Sinn.
Doch der Reihe nach: Die Grundidee hinter der Aufführung – nämlich mit Popsongs eine Geschichte zu erzählen – reicht Jahrzehnte zurück. Als Schüler der HAK Hall hatte Steidl im Englischunterricht die Aufgabe, einen Song ins Deutsche zu übersetzen. Er wählte ein Lied seiner damaligen Lieblingsband Electric Light Orchestra (ELO), deren Konzeptalbum „Eldorado“ von der Suche nach dem Glück handelt. „Daraus könnte man eine schöne Geschichte machen“, dachte Steidl damals. Er überlegte, wie man die Lieder in Bilder umsetzen könnte und schrieb sogar schon eine Art Drehbuch. Dieses verschwand zwar „irgendwo am Dachboden“, die Ausgangsidee aber offenbar nie ganz aus Steidls Gedankenwelt.
1999 – das Festival in Wattens bestand schon seit zwei Jahren – setzte sich Steidl in den Kopf, Sagen und Märchen mit Musik zu verbinden. „Ich dachte an Tiroler Komponisten, kannte aber niemanden“, sagt er. Also kam er auf die Idee, Pop- und Rocksongs zu nützen, die es bereits gibt.
Noch immer fehlte aber eine Story – bis sie Steidl schließlich im Schlaf erreichte: In einem schrecklichen, intensiven Albtraum – „ich träume sonst selten schlecht“ – wurden Steidl und ein kleines Mädchen im Wald von einer wilden Kreatur verfolgt. „Für einen Traum dachte ich ziemlich logisch“, lacht Steidl. „Ich sagte zum Mädchen: ‚Teilen wir uns auf, dann wird das Monster nur mich verfolgen und du bist in Sicherheit!‘.“ Steidl wachte schweißgebadet auf, traute sich zuerst kaum aus dem Bett, „aber ich hatte die Bilder glasklar vor mir“. Also setzte er sich mitten in der Nacht hin und entwarf ein eineinhalbseitiges Szenario. Dieses steht nun im Mittelpunkt der Aufführung – im eigentlichen Sinn: „Von dort ausgehend habe ich die Handlung zuerst nach vorne an den Anfang und dann bis zum Ende geschrieben.“
Steidl wollte das Stück – dem er auf Rat eines alten Freundes noch ein Happy-End gegeben hatte – rasch realisieren. „Damals fehlten mir aber noch die Mittel und das große Team für die Umsetzung.“
Das ist nun anders: Bei der aufwändigen Outdoor-Produktion unter der Regie von Michele Jost wird ein 45-köpfiges Team vor und hinter den Kulissen werken, darunter ca. 20 Schauspieler.
Im Stück prallen zwei Welten aufeinander: die von Stress, Gier und Chaos geprägte, turbokapitalistische Arbeitswelt eines „Zockerbüros“ an der Wallstreet und die Traum- und Phantasiewelt in König Laurins Rosengarten, wo ein wertvoller „Zeitschatz“ gehütet wird. Eingespielte Videos von Stars wie Michael Jackson, Billy Joel, Toto oder ELO werden mit dem Theaterstück verknüpft. „Die wesentlichen Themen des Stücks – Zeitmangel, Burnout, Arbeitslosigkeit – haben diese Künstler schon vor über 30 Jahren behandelt“, sagt Steidl. Doch auch die „Liederschmiede“ der Musikschule Wattens, geleitet von Reinhard Hörtnagl und Florian Popp, steuert zwei Songs bei. Und Tiroler Firmen fertigen gerade Requisiten für das Stück an – „überraschende“, wie Steidl verspricht.
Bei einem Weiher nahe dem Gasthof Vögelsberg wird für die Aufführung eine große Bühne mit vier Meter hohen Videoleinwänden errichtet. Teil des Abends ist auch eine inszenierte Kurzwanderung. Um möglichst wenig in die Umwelt einzugreifen – und eine intime „Gefühlsreise“ zu ermöglichen –, sind die Zuschauerzahlen auf 300 pro Abend begrenzt. Karten sind bereits erhältlich – unter www.maerchenfestival.at.
Kommentare