Hardcore-Festspiele mit Sick Of It All in der Wiener Arena

Wien (APA) - Seit knapp zehn Jahren bringt das Impericon Festival im Rahmen seiner Europarundreisen Hardcore- und Metal-Bands in unterschied...

Wien (APA) - Seit knapp zehn Jahren bringt das Impericon Festival im Rahmen seiner Europarundreisen Hardcore- und Metal-Bands in unterschiedlichste Hallen. Heuer macht man den Auftakt in der Wiener Arena, bevor das Spektakel bis Ende April in Städten wie Manchester oder Zürich Halt machen wird. Am Freitag (14. April) sollte man sich auf Hardcore-Festspiele einstellen, mit Sick Of It All als Headliner.

Die legendäre US-Band um die Brüder Lou (Gesang) und Pete (Gitarre) Koller sorgt seit Ende der 1980er für Bewegung im Moshpit. Gegründet in Queens, gilt das Quartett - das angesichts seiner Karrieredauer auf ein erstaunlich konsistentes Line-up blicken kann - als wesentlicher Player in der Szene. Spätestens mit dem Album „Scratch The Surface“ (1994) konnte man ebendiese Oberfläche durchbrechen und sich aus dem Underground ins Rampenlicht spielen. Das bedeutete allerdings nicht, dass Sick Of It All nun in der dominierenden MTV-Kultur angekommen waren. Dafür schien der Sound immer noch zu eigenwillig, zu wenig am Mainstream ausgerichtet.

Und bis heute ist das so geblieben: Das treibende Schlagzeugspiel von Armand Majidi, die gemeinsam mit Bassist Craig Setari von den Kollers vorgetragenen Groupshouts, die ziemlich direkten und gesellschaftspolitischen Texte - all das macht aus Sick Of It All nach wie vor ein Paradebeispiel der sich wenig um Trends kümmernden Hardcore-Familie, womit man auf eine treu ergebene Fanbasis setzen kann. Zwischendurch beim renommierten Label Fat Wreck Chords untergekommen, wo etwa das hervorragende „Yours Truly“ (2000) erschien, ist man nach wie vor wütend, angriffig und ziemlich flott unterwegs, wie 2014 auch das bis dato aktuelle Studioalbum „The Last Act of Defiance“ unterstrich.

Ganz ähnlich gestrickt, wenngleich eine Spur melodischer gehen Ignite ans Werk, die nur wenige Jahre weniger am sonnengebräunten, kalifornischen Buckel haben als ihre New Yorker Kollegen. Wo Sick Of It All aber angepisste Shouts als primäres Verständigungsvehikel einsetzen, ist Ignite-Sänger Zoli Teglas doch deutlich um mehr Eingängigkeit bemüht. Am anderen Ende der Skala darf man Carnifex ansiedeln: Die 2005 gegründete Deathcore-Band um Frontmann Scott Lewis macht üblicherweise das Gegenteil davon, was ihr jüngstes Studioalbum „Slow Death“ vorschreibt. Zwischen mächtigen Breakdowns und Hochgeschwindigkeitspassagen angesiedelt, darf Lewis sein Innerestes nach außen kehren, was ziemlich düster gelingt. Nur konsequent, wenn da ältere Werke auf Namen wie „Until I Feel Nothing“ oder „Die Without Hope“ hören. Fröhlich sein können ja andere.

Da halten auch die Australier Thy Art Is Murder mit, die in Manchester gar den Headliner der mit wechselnden Bands ausgestatteten Festivaltour geben. Gerne wird hier mit Black-Metal-Versatzstücken gespielt, wobei natürlich die Hochglanzproduktion (zumindest in der Studioumgebung) für ein deutlich klinischeres Ergebnis sorgt, als man es bei Gruppen dieser Ausrichtung gewohnt ist. Aber die Mischung aus Hardcore, Metal und Weltuntergangsstimmung ist nicht ohne Reiz. Komplettiert wird das Impericon-Aufgebot in Wien durch Being As An Ocean, Breakdown Of Sanity, Miss May I, In Hearts Wake, Astroid Boys und Casey. Für ordentliches Headbanging sollte man also schon mal die Halsmuskulatur lockern.

(S E R V I C E - www.impericon.com/at/festival; www.arena.wien)