USA/Russland

Manager und Diplomat: Lawrow und Tillerson suchen Kontakt

US-Außenminister Rex Tilleron (links) trift in Moskau erstmals für längere Zeit auf seinen russischen Amtskollegen Lawrow.
© AFP/Nemenow

John Kerry wurde eine Männerfreundschaft mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow nachgesagt. Wie wird der neue US-Außenminister Rex Tillerson mit dem russischen Chef-Diplomaten umgehen? Am Mittwoch hat ein längeres Treffen der beiden in Moskau begonnen.

Moskau, Washington - Fünf Tage nach dem US-Raketenangriff auf syrische Regierungstruppen ist US-Außenminister Rex Tillerson am Mittwoch zu Gesprächen mit seinem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau zusammengekommen. Zum Auftakt ihres Treffens sagte Tillerson, er hoffe auf "offene und ehrliche" Gespräche. Lawrow sagte, er wolle herausfinden, welches die "wahren Absichten" der US-Regierung seien.

US-Präsident Donald Trump hatte den Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff angeordnet, der nach seinen Worten von der syrischen Luftwaffe verübt wurde.

Die russische Führung, die den syrischen Staatschef Bashar al-Assad militärisch unterstützt, verurteilte den Einsatz als Bruch des Völkerrechts. Ursprünglich hatte Trump es sich zum Ziel gesetzt, die Beziehungen der USA zu Russland zu verbessern.

Kann Tillerson seinem Vorgänger das Wasser reichen?

Aber kann das Duo der Außenminister Sergej Lawrow und Rex Tillerson überhaupt funktionieren? Nach der Statistik gehören die Beziehungen zwischen Russland und den USA eigentlich zu den engsten überhaupt. 39 Mal haben sich Lawrow und Tillersons Vorgänger John Kerry zwischen 2014 und 2016 getroffen, mehr als 140 Mal griffen sie zum Telefon, um über drängende Probleme zu beraten, zählt die Agentur Ria Nowosti.

Tillersonst Vorgänger John Kerry (l.) pflegte ein enges Verhältnis Sergej Lawrow (r.).
© Reuters/Foeger

Doch trotz des intensiven Kontakts ist das Verhältnis beider Länder so zerrüttet wie nie seit dem Kalten Krieg. Ukraine-Krise, Syrien-Konflikt und Streit um Russlands möglichen Einfluss auf die US-Wahlen tun das ihre, um die Fronten zu verhärten. Bislang war die persönliche Sympathie zwischen Lawrow und Kerry eine Art Konstante in schwierigen Zeiten - unvergessen die Szenen, als beide in London Fußbälle über den Rasen kickten und dabei versuchten, die Syrien-Krise zu lösen.

Ein Novize trifft einen Dinosaurier

Nun muss sich nach dem Regierungswechsel in den USA auch das Tandem der Chefdiplomaten Lawrow und Tillerson erst finden. Verglichen mit dem Politik-Novizen Tillerson ist der russische Außenminister Lawrow ein Polit-Dinosaurier. Geschult an einer diplomatischen Kaderschmiede in der Sowjetunion wirft er 45 Jahre Berufserfahrung in die Waagschale.

In Diplomatenkreisen gilt der 67-Jährige als "Mann mit Witz", der jede Situation mit einer Anekdote auflockern kann. Er ist aber auch bekannt als harter Verhandlungsführer, der die diplomatische Klaviatur von freundlich bis grob auszureizen versteht.

Das Aufkommen von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) Anfang der 1980er Jahre erlebte er als Botschaftsrat in den USA. Nach einer Zeit im Außenministerium in Moskau vertrat Lawrow sein Land ab 1994 bei den Vereinten Nationen. 2004 wurde er zum Außenminister berufen. Inzwischen ist er einer der beliebtesten russischen Politiker. Ähnlich wie von Präsident Wladimir Putin gibt es auf Märkten Lawrow-Devotionalien wie T-Shirts und Tassen zu kaufen.

"Ernstzunehmender Gegenspieler"

US-Kollege Tillerson ist für Lawrow zumindest politisch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. "Tillerson dürfte ein ernstzunehmender Gegenspieler von Lawrow werden", sagt der kremlnahe Experte Fjodor Lukjanow. Zwar gab es ein erstes Kennenlernen im Februar bei der Sicherheitskonferenz in München, aber für eine ähnliche Vertrauensbasis wie zu Vorgänger Kerry braucht es wohl Zeit.

Der Texaner Tillerson trägt den russischen "Orden der Freundschaft". Seit 1998 macht der 64 Jahre alte Ex-Manager des Energieunternehmens ExxonMobil Öl-Geschäfte in Russland - eine Zeit, in der in Russland die Oligarchen sich gegenseitig ausstachen. Zum Chef des Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, entwickelte er ein persönliches Verhältnis - Setschin ist ein enger Vertrauter und Gewährsmann Wladimir Putins. Die Deals, die Tillerson aushandelte, bezeichnete Putin als "beängstigend" - weil sie so riesig waren und nicht nur Milliarden, sondern Hunderte von Milliarden Dollar umfassten.

Tillerson wird in Russland als berechenbar eingestuft, als zielgerichteter Arbeiter ohne ideologische Vorbelastung. Doch seine jüngsten Äußerungen haben in Moskau aufhorchen lassen. Er warf der russischen Führung vor, entweder zu leichtsinnig oder zu inkompetent gewesen zu sein, um Syrien von einer weiteren Anwendung chemischer Kampfstoffe abzuhalten. Ein Berufsdiplomat hätte es möglicherweise anders gesagt. (TT.com, APA, AFP, dpa)