Formel 1: Das „Wunder“ Frank Williams feiert 75. Geburtstag

Sakhir (APA/dpa) - Der Engländer Frank Williams, der am Sonntag (16. April) beim Grand Prix von Bahrain seinen 75. Geburtstag feiert, hat di...

Sakhir (APA/dpa) - Der Engländer Frank Williams, der am Sonntag (16. April) beim Grand Prix von Bahrain seinen 75. Geburtstag feiert, hat die Formel 1 mitgeprägt. Die Rennwagen des britischen Privatrennstalls tragen zwar weiterhin seine Initialen, doch Siege gehören für solche Teams mit ihren begrenzten Budgets mittlerweile der Vergangenheit an und Williams selbst wirkt nur noch im Hintergrund.

Die sportlich erfolgreichsten Zeiten für das Williams-Team liegen schon einige Zeit zurück. Den bisher letzten Fahrertitel holte der Kanadiers Jacques Villeneuve 1997. Sieben waren es insgesamt für Williams. Hinzu kamen neun WM-Triumphe in der Konstrukteurswertung.

Frank Williams hatte sein Team in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einer Topadresse in der Königsklasse des Motorsports gemacht. Superstars wie Nelson Piquet, Nigel Mansell und Alain Prost fuhren im Williams zum WM-Titel. Insgesamt 114 Rennsiege, 311 Podiumsplatzierungen und 128 Pole Positionen kann das Team mit Sitz im englischen Dorf Grove, wo ein Museum von diesen großen Erfolgen der Vergangenheit zeugt, vorweisen.

Teamchef Williams selbst wurde zum Ritter geschlagen in Großbritannien, in Frankreich in die Ehrenlegion aufgenommen. Er durchlebte aber auch schwerste Zeiten. In einem Williams verunglückte 1994 die brasilianische Rennikone Ayrton Senna tödlich. „Wir hatten eine große Verantwortung, weil wir ihm das Auto gaben, und wir haben ihn im Stich gelassen“, sagte Williams, der wie Technikchef Patrick Head und Chefdesigner Adrian Newey in Italien erst nach Jahren vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden war.

Damals saß Frank Williams schon im Rollstuhl. Passiert war es im März 1986. Williams verunglückte in Frankreich, er war auf der Rückfahrt von Testfahrten in Le Castellet. „Ich wusste, dass ein Unfall irgendwann passieren würde, so wie ich in den Zeiten damals gefahren bin“, zitierte das britische Magazin „Esquire“ Williams einmal. Er wollte den Flug nach Hause unbedingt erwischen.

Frank Williams kämpfte sich aber zurück, ein Rollstuhl konnte diesen fest entschlossenen und willensstarken Briten nicht stoppen. Im September vergangenen Jahres wuchsen aber die Sorgen um ihn, er hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen. Auch die überstand Frank Williams letztlich.

„Ich habe ihn im Geschäft erlebt, mit seiner ganzen Härte, aber vor allem mit seiner ganzen Disziplin“, sagt Österreichs ehemaliger Formel-1-Star Gerhard Berger über Williams. Zweimal wollte Frank Williams den jetzigen D-Chef als Piloten in sein Formel-1-Team holen. Zweimal sei es am Geld gescheitert, erklärte Berger, der wie alle anderen in der Szene größten Respekt und höchste Achtung vor Frank Williams und dessen Lebenswerk empfindet. „Das ist unglaublich, einfach ein Wunder.“

Und das Lebenswerk bleibt in der Familie. Schon seit Jahren führt Tochter Claire praktisch das Team, das von 17 Mitarbeitern 1977 auf mittlerweile rund 600 angewachsen ist.