Deutsche Wirtschaft trotz globaler Risiken mit stabilem Wachstum
Berlin (APA/AFP) - Deutschlands Wirtschaft wächst weiterhin stabil trotz globaler Unsicherheiten: Die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen...
Berlin (APA/AFP) - Deutschlands Wirtschaft wächst weiterhin stabil trotz globaler Unsicherheiten: Die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen für 2017 mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent, wie sie am Mittwoch mitteilten. Sorgen bereitet ihnen aber der protektionistische Kurs der US-Regierung.
In ihrem Gutachten mit dem Titel „Aufschwung festigt sich trotz weltwirtschaftlicher Risiken“ sagen die Experten der deutschen Wirtschaft ein weiterhin „moderates“ Wachstum voraus und heben ihre Prognose für 2017 leicht an: In ihrem Herbstgutachten waren sie noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent ausgegangen. Für 2018 prognostizieren sie ein Plus von 1,8 Prozent.
Das Wachstum stützt sich dem Gutachten zufolge weiterhin vor allem auf den privaten Konsum, auch wenn dieser weniger stark zulege als zuvor. „Dagegen gewinnen die Exporte etwas an Tempo.“ Damit einher gehe eine „kräftige Beschäftigungsdynamik“: Die Arbeitslosenquote dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher von 6,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,7 Prozent im laufenden Jahr sinken, bevor sie 2018 auf 5,4 Prozent abnimmt.
Die Inflation zieht deutlich an und soll 2017 der Prognose zufolge 1,8 Prozent erreichen, nachdem sie im vergangenen Jahr bei nur 0,5 Prozent gelegen hatte. Ursache für den Anstieg der Verbraucherpreise sind vor allem höhere Energiekosten.
Der öffentliche Haushaltsüberschuss geht dem Gutachten zufolge etwas zurück. Er dürfte nach einem Plus von 24 Mrd. Euro im vergangenen Jahr heuer auf 19 Mrd. Euro und im kommenden Jahr auf 17 Mrd. Euro sinken. Die Zinsen im Euroraum bleiben den Instituten zufolge auf Niedrigniveau.
Die Gutachter bemängeln auch Schwächen: „Die Unternehmensinvestitionen nehmen in Deutschland nach wie vor verhalten zu“, erklären sie. Die Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen müssten verbessert werden.
Die Alterung der Gesellschaft treibe zudem die Pensionsversicherungsbeiträge mittelfristig in die Höhe. Es sei daher „höchste Zeit“, den Anstieg der Abgabenbelastung zu begrenzen und durch Umschichtungen im Haushalt die Investitionen besonders in den Bildungsbereich zu stärken, raten die Experten.
Zwar wächst die Weltwirtschaft im Frühjahr 2017 den Wirtschaftsexperten zufolge „recht kräftig“, die Unsicherheit über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sei aber „erheblich“. „So sind die Vorhaben der neuen US-Regierung und ihre Wirkung auf die Weltwirtschaft unklar“, warnen die Wirtschaftsforscher.
Die Regierung von Präsident Donald Trump verfolge eine „protektionistische Agenda, deren Umsetzung negativ auf Welthandel und Weltproduktion wirken würde“. Damit gehen von der US-Wirtschaftspolitik „auch Abwärtsrisiken für Deutschland aus.“ Auch in Europa seien die politischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen schwer einzuschätzen, fügen die Gutachter im Hinblick auf die Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens hinzu.
Deutschland sei auf eine stabile Weltkonjunktur und offene Handelsbeziehungen angewiesen, erklärte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Sie setze sich daher für „freien und fairen Handel“ ein.
Das Gutachten der Institute dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Frühjahrsprognose. Es wird erstellt von fünf Instituten: dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin, dem Institut für Wirtschaftsforschung München, dem Institut für Weltwirtschaft Kiel, dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung Essen.
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