Zehntausende demonstrierten gegen Südafrikas Staatschef Zuma

Pretoria (APA/AFP) - Die Opposition in Südafrika macht weiter Druck auf Staatschef Jacob Zuma: Zehntausende Menschen zogen am Mittwoch durch...

Pretoria (APA/AFP) - Die Opposition in Südafrika macht weiter Druck auf Staatschef Jacob Zuma: Zehntausende Menschen zogen am Mittwoch durch die Hauptstadt Pretoria und forderten den Rücktritt des Präsidenten. Unter dem Ruf „Zuma muss gehen“ zogen die Demonstranten zum Präsidentenpalast.

Die Teilnehmer waren überwiegend Anhänger der Oppositionsparteien Demokratische Allianz (DA) und Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (EFF) des ehemaligen Chefs der ANC-Jugend, Julius Malema. Am Freitag hatten in mehreren südafrikanischen Städten zehntausende Zuma-Gegner demonstriert. In Pretoria hatte die Kommunistische Partei (SACP), historische Verbündete von Zumas regierendem Afrikanischen Nationalkongress (ANC), einen Protestmarsch zum Präsidentenpalast organisiert.

Die Demonstration am Mittwoch fand an Zumas 75. Geburtstag statt. Die rivalisierenden Oppositionsparteien DA und EFF sowie kleinere Parteien demonstrierten Einigkeit: „Wir sind vereint, um die Kontrolle über unser schönes Land zurückzubekommen“, rief der einstige ANC-Jugend-Chef Malema der Menge zu. John Moodey von der DA sagte, die Parteien legten „für eine gemeinsames Sache ihre Differenzen beiseite: Südafrika aus den Händen von Jacob Zuma zu befreien“. Nach Angaben der Polizei blieb die Demonstration friedlich.

Am kommenden Dienstag findet im Parlament ein von DA und EFF eingebrachtes Misstrauensvotum gegen Zuma statt. Der ANC rief seine Mandatsträger auf, das Misstrauensvotum zurückzuweisen. Die Partei verfügt mit 249 von 400 Mandaten über eine starke Mehrheit in der Volksversammlung.

Der seit 2009 amtierende Zuma steht wegen einer ganzen Reihe von Korruptionsaffären in der Kritik. Die Beliebtheit des ANC, der seit dem Ende der Apartheid 1994 ununterbrochen in Südafrika an der Macht ist, hat unter Zuma stark gelitten. Bei der Kommunalwahl im vergangenen August kam die Partei des legendären ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela, nur noch auf 53 Prozent der Stimmen und verlor wichtige Bürgermeisterämter an die Opposition.

Die nächste Parlamentswahl findet regulär im Jahr 2019 statt. Dann endet auch Zumas zweites Mandat. Der ANC muss bis Ende dieses Jahres einen neuen Vorsitzenden nominieren, der im Fall seines Sieges bei der Parlamentswahl Zuma auch als Staatschef ablösen würde.

Zuma wird unter anderem vorgeworfen, die einflussreiche indischstämmige Industriellenfamilie Gupta begünstigt zu haben. Verstärkt steht der Staatschef unter Kritik, seit er am 30. März sein Kabinett auf zehn Posten umbildete.

Dabei entließ er unter anderem seinen Finanzminister Pravin Gordhan. Dieser hatte sich mit Zuma unter anderem über eine Begrenzung der Staatsausgaben gestritten. Er setzte sich zuletzt entschieden für mehr Haushaltsdisziplin und gegen Korruption ein und hatte auch internationale Investoren auf seiner Seite.