Eurofighter - In sechs Minuten in ganz Österreich
Zeltweg/Wien/Toulouse (APA) - Im Notfall kann der Eurofighter in sechs bis sieben Minuten jedes Ziel in Österreich erreichen. Für sogenannte...
Zeltweg/Wien/Toulouse (APA) - Im Notfall kann der Eurofighter in sechs bis sieben Minuten jedes Ziel in Österreich erreichen. Für sogenannte Alarmstarts stehen stets drei Abfangjäger gleichzeitig im Fliegerhorst Hinterstoisser im steirischen Zeltweg, dem größten Militärflugplatz des Bundesheeres, bereit. Obwohl nur ein Mann im Flieger sitzt, sind vom Techniker bis zum Feuerwehrmann an einem Flug bis zu 100 Personen beteiligt.
Seit 2007 verfügt das Bundesheer über Eurofighter zur aktiven Luftraumüberwachung, und zwar insgesamt 15 Stück, die in Zeltweg stationiert sind. Während die passive Luftraumüberwachung etwa mittels Radar rund um die Uhr passiert, werden für die aktive Luftraumsicherung vom Kommando Luft je nach Bedrohungslage jeden Tag bestimmte Zeiträume vorgegeben, in denen Jets startklar sein müssen. Diese Einsatzbereitschaft teilen sich die alten Saab 105 und eben die Eurofighter.
Konkret sind dann in der „Flugbetriebsbox“, also quasi der Garage, stets zwei bewaffnete Eurofighter (eine „Rotte“) startklar. Falls es zu einem unerwarteten Ausfall kommt, steht zur Sicherheit noch ein dritter Flieger bereit. Bei höherer Gefährdung können es natürlich auch mehr sein. Einen Stock über den Jets warten die Piloten in voller Montur auf einen etwaigen Einsatz.
Pro Jahr finden zwischen 40 und 60 Alarmstarts statt. Wird in der „Einsatzzentrale Basisraum“ in St. Johann im Pongau Alarm ausgelöst, muss alles ganz schnell gehen: Der Tower in Zeltweg schaufelt den lokalen Luftraum frei, das MCC (Militäry Control Center) in Wien räumt in Zusammenarbeit mit den zivilen Flugbehörden den Weg zum Ziel. Während der Pilot am Weg zum Flieger seinen Helm aufsetzt, setzen die Techniker vorbereitende Handgriffe am Abfangjäger, sodass sich der Pilot nur mehr anschnallen und die Triebwerke starten muss. So ein Alarmstart ist in sechs bis acht Minuten möglich, erklären die Experten in Zeltweg. NATO-Vorgabe seien zwölf bis 15 Minuten.
In sechs bis sieben Minuten kann ein Eurofighter überall in Österreich sein, wenn ein Flugzeug den Luftraum verletzt. Die Zeitspanne mag für einen Notfall mitunter lang klingen - Radar und zwischenstaatliche Kooperationen erlauben aber eine gewisse Vorlaufzeit. Bei erhöhter Gefahr spart die sogenannte Sitz-Bereitschaft - der Pilot wartet im Cockpit - wichtige Minuten, oder die Eurofighter kreisen überhaupt schon in der Luft.
Unentbehrlich für die Piloten ist es dabei, laufend über die Wettersituation informiert zu sein. Zwar gibt es laut den Spezialisten nur wenige Wetterbedingungen, unter denen man nicht fliegen kann. Trotzdem brauchen sie genaue Informationen von der Wolkenverteilung bis zur Windstärke, die die Wetterberatungsstation Zeltweg in täglichen Briefings, aber auch auf Anfrage des Piloten vor jedem einzelnen Flug bekannt gibt. Das Bundesheer besteht auf einen eigenen Wetterdienst vor Ort im Tower, da die Voraussetzungen in der militärischen Fliegerei andere seien als in der zivile - man denke nur an Loopings. Für gefährliche Manöver braucht man beispielsweise einen wolkenfreien Luftraum zum Üben. Auch während eines Flugs sind die Meteorologen stets im Hintergrund und greifen auch aktiv ein, wenn eine Vorhersage nicht eintrifft oder sich das Wetter schlagartig ändert und der Pilot zum Beispiel einen geeigneten Ausweich-Landeplatz braucht.
Ganz oben im Tower haben Controller und Coordinator die gesamte Flugsicherheit im Auge, sie erteilen die Start- und Landeerlaubnis. In einer gewissen Zone rund um den Fliegerhorst bis zu 8.000 Fuß Höhe müssen sich auch ausnahmslos alle zivilen Hubschrauber und Flugzeuge beim Tower melden und bekommen dann von dort Anweisungen. Militärische Flüge haben ebenso Vorrang wie zivile Rettungsflüge.
Für die Flieger ebenso unverzichtbar ist die regelmäßige Wartung. In der Typen-Werft in Zeltweg können alle Wartungen durchgeführt werden, die ein Eurofighter braucht. In die Halle in der Hochsicherheitszone kommen die Flieger in vorgeschriebenen Intervallen nach einer bestimmten Anzahl an Flugstunden oder natürlich, wenn während des Flugs ein Fehler angezeigt wird. Sechs Wartungsbereiche stehen in der Halle zur Verfügung, jeder mit einem eigenen Team von sechs Technikern. Alle Prozesse werden dokumentiert, jeder Schritt soll nachvollziehbar sein. Wie lange die Wartung dauert, ist völlig unterschiedlich: von ein paar Stunden bis zu ein paar Monaten ist alles möglich, wenn etwa der ganze Flieger zerlegt und die Triebwerke ausgebaut werden müssen.
Eine Flugstunde kostet 70.000 bis 80.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten für die Eurofighter betragen 80 Millionen Euro. Dass nicht immer alle Jets gleichzeitig einsetzbar sind, wird politisch immer wieder als Argument gegen den Eurofighter aufs Tapet gebracht. Aus fachlicher Sicht geht der Vorwurf ins Leere: Jeder Flieger muss regelmäßig in die Wartung, egal ob Eurofighter oder nicht - jedes Jet-System hat etwa ein Drittel in der Wartungsschleife, heißt es seitens der Experten. Ein „Klarstand“ von 100 Prozent ist schlicht nicht möglich, weil es sich bei Abfangjägern um ein komplexes System handle, bei dem regelmäßige Zwischenchecks notwendig seien. Die Flugsicherheit sei das „höchste Gut“ - die Eurofighter sind in Österreich bisher zum Glück unfallfrei.
~ ISIN NL0000235190 WEB http://www.airbus-group.com ~ APA046 2017-04-13/08:00
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