Tirol

„Daheimbleiber als Zielgruppe vergessen“

Tirol steht bei Urlaubern hoch im Kurs.
© Thomas Böhm

Rund 40 Prozent der Tiroler verbringen auch heuer ihren Sommerurlaub zu Hause. Dass der Tourismus diese relevante Zielgruppe nicht pflegt, kann Freizeitforscher Zellmann nicht nachvollziehen.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien — Die Umfragen zeigen: Auch heuer werden rund 40 Prozent der Tiroler ihren Haupturlaub in den eigenen vier Wänden verbringen. Weil diese Menschen im Sommer nicht nur „auf Balkonien" sitzen, sondern was erleben wollen, sind sie für den Tourismus eine interessante Zielgruppe, ist Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung IFT, überzeugt. „Gerade in finanziell schwierigen Zeiten, in denen auf die Ausgaben mehr geachtet werden muss, können Freizeiteinrichtungen von Zu-Hause-Bleibenden profitieren. Die Nichtreisenden als Urlauber anzusprechen, ergibt schlagartig eine neue, besondere Zielgruppe für die Freizeit- und Tourismuswirtschaft", sagt Zellmann. Umso unverständlicher ist für ihn, dass „die Tourismuswirtschaft die Daheimbleiber — ich rede nicht von den Inlandsurlaubern — fast ausgeblendet bzw. vergessen hat". Für Zellmann ist es daher höchst an der Zeit, „diese Marktlücke zu schließen".

Welche Angebote die Daheimbleiber vor allem nützen würden, hat das IFT nachgefragt. Am wichtigsten sind den Befragten „bequem erreichbare Naherholungsgebiete", gefolgt von „einem Freizeitbad", „ein ansprechendes kulturelles Angebot" und „Sportangebote für jedermann". Besonders der Wunsch nach kulturellen Angeboten hat im Jahresvergleich an Bedeutung gewonnen. In der IFT-Umfrage zeigt sich auch, dass vor allem die jüngere Bevölkerung Freizeitbäder, Ferien- und Sportveranstaltungen gern besuchen würde und Frauen von kulturellen Angeboten angesprochen werden, während Männer mehr die Sportangebote nützen würden. Zählt man laut Zellmann zu den Daheimbleibern auch die Gruppe der Inlandsurlauber, sind es österreichweit rund 58 Prozent, die eine Region zusätzlich wirtschaftlich beleben können. „Für die Zukunft ist daher der Ausbau bzw. die Verbesserung des Freizeitangebots vor Ort ein wichtiger Ansatz, von dem sowohl Einheimische als auch Touristen profitieren", weiß Zellmann.

Auch für den Chef der Tirol Werbung, Josef Margreiter, „wird das Potenzial des Heimmarktes teilweise noch unterschätzt". Dennoch würden die Zahlen bei den Inlandsurlaubern (nicht Daheimbleibern) eine erfreuliche Entwicklung zeigen: „So sind die Übernachtungen von Tirolern im eigenen Land in den vergangenen zehn Jahren um 54 Prozent gestiegen." Gastgeber, Bergbahnen und Regionen würden sich laut Margreiter „vermehrt bemühen, den Urlaub in der Heimat zu bewerben. Und auch die Tirol Werbung setzt mit vielfältigen Aktivitäten — von Kooperationen mit führenden Medien bis hin zu unserem Blog und Facebookauftritt — auf die Vermittlung der zahlreichen Freizeitmöglichkeiten an die heimische Bevölkerung."

Nicht vergessen würde man zudem die Nichturlauber, die diese Angebote nur untertags nutzen wollen. „Sommercards und Kartenverbünde, Ausflugsziele und Schwimmbäder machen den Urlaub daheim preiswert erlebbar."

Kroatien und Griechenland Topziele

Innsbruck, Wien — Wohin es die Tiroler diesen Sommer zieht, weiß man bereits. „Für die Türkei ist die Saison gelaufen. Was dort in der Politik passiert, gefällt den Urlaubern nicht", sagt Freizeitforscher Peter Zellmann. Nicht viel besser stuft er die Lage für die ägyptische Tourismuswirtschaft ein. „Die Urlauber haben sich zwar daran gewöhnt, dass es immer wieder Vorkommnisse in Unruhegebieten gibt, aber das jüngste Attentat in Ägypten ist einfach zu sehr im Bewusstsein." Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Kroatien bleibt der Renner und lässt Italien als Urlaubsdestination hinter sich, stark im Kommen ist laut Zellman „wieder Griechenland". Herbert Schatz vom Reiseveranstalter TUI sieht die Chancen von Ägypten etwas anders: „Wenn der Preis gut ist, sind die Leute bereit, nach Ägypten zu fahren." Die Türkei hält er „wegen des negativen Images, das die Politik ausgelöst hat", ebenfalls für keine angesagte Destination. Gefragt sind dagegen „Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien, Österreich und Deutschland". (wa)