Börse in Sorge: Was droht bei Wahlsieg Le Pens in Frankreich?

Nach der Wahl in den Niederlanden richten sich nun die Blicke auf die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich: Ein Sieg der Rechtspopulisten birgt Risiken für Anleger.

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Paris, Frankfurt – Das Superwahljahr 2017 hält Anleger an den Börsen weiter auf Trab. Nach der Parlamentswahl in den Niederlanden im März folgt am 23. April der erste von voraussichtlich zwei Wahlgängen der französischen Präsidentschaftswahl. Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen tritt mit einem nationalistischen Wahlprogramm an und will aus dem Euro austreten. Experten zufolge könnte damit nicht weniger auf dem Spiel stehen als die Zukunft der Gemeinschaftswährung - oder gar der Europäischen Union. Die Börsen dürften deshalb gehörig in Bewegung geraten, sollte sich eine unerwartet hohe Zustimmung für Le Pen abzeichnen.

Warum schauen viele Anleger auf die Frankreich-Wahl?

Im Gegensatz zu den Niederlanden oder auch zum pleitebedrohten Griechenland ist Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ein echtes Schwergewicht. Entsprechend nervös sind die Investoren: „Gewinnt Le Pen die Wahl, werden Frankreichs Börsen beben“, schreibt Analyst Daniel Burgmann von der Ratingagentur Scope.

Auch deutsche Anleger, die in europäische Aktien- und Rentenfonds investiert haben, würden die Turbulenzen spüren. Denn der Anteil französischer Werte an den europäisch ausgerichteten Fonds sei groß - häufig größer als der deutscher Werte. Doch auch wer vornehmlich den Leitindex Dax im Blick hat, dürfte stark betroffen sein: Analyst Cedric Spahr von der Schweizer Bank J. Safra Sarasin warnt vor einem Ausverkauf bei vielen kontinentaleuropäischen Aktien.

Wie haben die Börsen bisher auf unerwartete Ereignisse reagiert?

Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass die Anleger überraschende und auf den ersten Blick negative politische Nachrichten immer schneller verdaut haben. Dauerte die Kurserholung im Fall des Brexits noch vier Wochen, seien es bei der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten nur noch vier Stunden und beim italienischen Verfassungsreferendum maximal vier Minuten gewesen, schreibt Analyst Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg. Ein wichtiger Grund für die gelassene Reaktion der Börsen war das Vertrauen der Anleger in die Geldpolitik der Notenbanken: Die Währungshüter dies- und jenseits des Atlantiks standen immer bereit, notfalls die Märkte zu stützen.

Was droht den Börsen im Falle eines Sieges von Le Pen?

Derzeit liegt der Sozialliberale Emmanuel Macron in Umfragen deutlich vor Le Pen. Doch der Brexit und die US-Präsidentschaftswahl haben gezeigt, dass sich Demoskopen täuschen können. Sollte tatsächlich Le Pen in der voraussichtlich notwendigen Stichwahl am 7. Mai als Siegerin vom Platz gehen, könnten die Anleger diesmal weniger entspannt reagieren als in der Vergangenheit.

Im Falle eines Triumphs der Rechtspopulistin könnte der EuroStoxx 50 um bis zu 35 Prozent einbrechen, befürchtet Analyst Lefteris Farmakis von der Schweizer Bank UBS. Dies würde den Eurozonen-Leitindex auf den Stand von Mitte 2012 zurückwerfen. Wegen der Bedeutung Frankreichs für das europäische Projekt hält der Experte den Spielraum für Schadensbegrenzung etwa der Notenbank für weit geringer als zum Beispiel bei der Bekämpfung der griechischen Schuldenkrise.

Wie könnten die Anleger auf eine Niederlage Le Pens reagieren?

Falls der bislang favorisierte und parteilose Kandidat Macron in der entscheidenden zweiten Runde im Mai gewinne, „werden wir eine massive Umschichtung von Geldern in Richtung Europa sehen“, prophezeit Stephanie Flanders, Chef-Anlagestrategin Europa des US-Fondsriesen JP Morgan Asset Management.

Schon die Parlamentswahl in den Niederlanden, wo die Rechte unter Geert Wilders klar verloren hatte, habe zu einem vorsichtigen Meinungswandel unter Investoren geführt. Für Europas Börsen dürfte es bei einer Niederlage Le Pens daher weiter nach oben gehen. (dpa)


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