Österreicher sanieren teuer
Austria-Email-Chef ortet „Volksverdämmung“. Vielfach werde teuer und falsch saniert.
Innsbruck –Die Österreicher sanieren teuer. Dabei könnten sie mit viel weniger Aufwand und Geld ihre Häuser deutlich effizienter machen, sagt Martin Hagleitner. Er ist Chef der Austria Email AG, die Wärmepumpen, Warmwasserspeicher und Solaranlagen herstellt.
„Eine Sanierung braucht nicht gleich eine Baustelle“, betont er. Viele Hausbesitzer seien sich nicht bewusst, dass mit einer Teilsanierung schon drei Viertel des Effekts einer kompetten Sanierung mit vollständiger Dämmung machbar wären. So falle nur ein Bruchteil der Kosten an, um Wasser, Heizung und die Dämmung der Geschoßdecke zu aktualisieren, dabei aber einen Großteil des Effekts zu erreichen.
Vielfach werde aber in den heimischen Einfamilienhäusern auch technisch falsch saniert, vor allem wenn gepfuscht wird, berichtet der Experte. Er spricht von „Volksverdämmung“. Häufig würden sich die Leute nämlich von neuen dicken Dämmplatten an ihren vier Wänden viel zu viel erwarten. „Die Qualität wird oft nicht berücksichtigt.“
Hagleitner ortet generell so einige Missverständnisse in der Bevölkerung beim Thema Energiesparen. Vielen sei nicht bewusst, dass in einem Haushalt 90 Prozent der Energiekosten auf Heizen und Warmwasserbereitung entfallen. „Hier hilft es zu sparen, nicht bei LED-Leuchten“, sagt er. „Smart Home“ und digitale Stromzähler könnten seiner Meinung nach in Zukunft einen Beitrag beim Sparen leisten.
Kritik übt Hagleitner an den Förderungen. Zwar gebe es reichlich Fördertöpfe, aber es mangele an Transparenz und Treffsicherheit. Anstelle des Förderdschungels fordert er von der Politik eine Mehrwertsteuersenkung auf Sanierungen. Hagleitner attestiert Österreich zudem einen Sanierungsstau: Die Sanierungsrate bei bestehenden Häusern liege pro Jahr gerade einmal bei einem bis zwei Prozent. Mit Blick auf die Klimaziele müssten es aber deutlich mehr als drei Prozent sein, betont er. Ganze 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Österreich steckten nämlich in Gebäuden.
Austria Email, das mehrheitlich der französischen Groupe Atlantic gehört, hat 340 Mitarbeiter, darunter fünf in einer Niederlassung in Innsbruck. Produziert wird in Knittelfeld in der Steiermark. Im Februar hat sich die Firma von der Wiener Börse verabschiedet. 2015 lag der Umsatz bei knapp 60 Mio. Euro, im Vorjahr sei er um 7 Prozent gestiegen. Auch der Gewinn habe von 3,9 Mio. Euro im Jahr 2015 „deutlich“ zulegen können, sagte Hagleitner. Heuer erwartet er weiteres Wachstum. (wer)