Hotelstudie: Bis zu 2800 zusätzliche Betten in Innsbruck notwendig
Nachdem seit Monaten in Innsbruck ein Streit über die Ansiedlung eines 600-Betten-Hotels im neuen „P3“ von Markus Schafferer tobt, hat die Stadt Innsbruck nun ihre Hotelstudie von 2005/6 aktualisiert.
Innsbruck – „Aufgrund der sehr dynamischen Gästeentwicklung in den vergangenen Jahren sowie der Umsetzung unterschiedlicher Projekte und verschiedener marktrelevanter Veränderungen wurde eine Überarbeitung der vorliegenden Studie notwendig“, erklärten Tourismusstadtrat Franz Gruber und Planungsstadtrat Gerhard Fritz am Freitag bei der Präsentation der Ergebnisse der aktualisierten Hotelstudie.
Hintergrund dieser „notwendigen“ Aktualisierung, die vom Amt für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration sowie dem Referat Wirtschaft und Tourismus in Auftrag gegeben wurde: Seit einigen Monaten dürfte Pema-Chef Markus Schafferer bei der Innsbrucker Hotellerie nicht mehr sehr beliebt sein. Der Investor will nach dem „Headline“ in der Brunecker Straße und dem im Bau befindlichen „P2“ in der Amraser Straße ein drittes Hochhaus, das „P3“, in der Südbahnstraße direkt am Hauptbahnhof hochziehen.
Was die hiesigen Hoteliers an den Plänen Schafferers so echauffiert: Im neuen Pema-Hochhaus soll ein 300-Zimmer-Hotel mit rund 600 Betten einziehen. Seit diese Pläne bekannt wurden, tobt ein heftiger Streit. Die Rede ist von „Preisentwicklung nach unten“ oder gar von „schmerzvollem Verdrängungswettbewerb“.
Bis zu 2800 Betten notwendig
Die aktualisierte Studie analysiert nun wesentliche Trends, Tendenzen und Entwicklungen in der nationalen sowie internationalen Hotellerie-Branche und gibt eine Einschätzung auf Basis prognostizierbarer Marktentwicklungen ab.
Das wichtigste Ergebnis: Bei einem geringen Wachstum wird ein zusätzlicher Bedarf von rund 1.600 Betten bis 2026 prognostiziert. Dieser erhöht sich bei einem gemäßigten Wachstum. Dann wären rund 2.200 zusätzliche Betten notwendig, beim dynamischen sogar 2.800. Das zweite Szenarium gilt laut Studienautoren als am wahrscheinlichsten.
Fehlende Leitbetriebe und Investitionsstau
Generell sehen die Studienautoren das Fehlen von Leitbetrieben sowie internationalen Markenhotels und der Investitionsstau in niedrigen Beherbergungskategorien und eine vergleichsweise geringe durchschnittliche Aufenthaltsdauer als Herausforderungen.
Die Studie zeige auch, dass sowohl das Konsumverhalten als auch das Kauf- und Reiseverhalten sich in Richtung „Multioptionalität“ ändert. Dieser Begriff sei eng mit den Schlagworten Variabilität, Online-Affinität und Individualismus verknüpft und bedeute, dass Gäste vermehrt maßgeschneiderte Angebote suchen.
„Dies eröffnet einen Markt für Hotelmarken unterschiedlicher Positionierung und verschiedener Kundenbindungsprogrammen“, erklärt Gruber. Eine weitere Branchenentwicklung bilde eine in vielen europäischen Städten wachsende „Lifestyle (Budget)“- und „Boutique“-Hotellerie.
Eine Aussage, die die Innsbrucker Hoteliers weniger freuen wird. Begründete der Sprecher der Hotellerie, Mario Gerber, die Ablehnung der Motel-One-Pläne doch auch mit der Billigschiene der internationalen Kette. Hierfür listet der Kämmerer und Hotelier aktuelle Motel-One-Preise für Wien (ab 71 Euro), Hamburg (ab 61 Euro) oder München (ab 59 Euro) auf. Diese lägen „weit unter den Durchschnittspreisen der vergleichbaren Hotellerie in Innsbruck“.
Recherchen der Tiroler Tageszeitung bestätigten zwar die von der Wirtschaftskammer kolportierten Zimmerpreise. Allerdings fanden sich auf der Buchungsplattform booking.com durchaus auch interessante Preisbeispiele für Innsbrucker Beherbergungsbetriebe. Demnach waren In Innsbruck Viersternehotels (eine Übernachtung Freitag auf Samstag mit oder ohne Frühstück im Einzel- bzw. Doppelzimmer) bereits zwischen 70 und 85 Euro zu bekommen.
Projektanträge kompatibel
Im Zuge der Auseinandersetzungen wurde von Innsbruck Hoteliers in einer Petition an Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) eine Reduktion der Hotelpläne gefordert. Außerdem stünden sowieso zusätzliche Hotelprojekte schon in der Pipeline (Rubatscher/Penz in der Maria-Theresien-Straße; Hilton-Nachfolgeprojekt in der Herrengasse (Anm. der Red.).
Auch darauf gibt die Studie Antwort: Bei der Überarbeitung der Studie aus 2005/06 sei ein Augenmerk auf aktuell vorliegende Projektanträge für Hotel-Neuentwicklungen gelegt worden. Und diese seien, bezogen auf Konzepte und Makrostandorte, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kompatibel. „Hierbei ist festzuhalten, dass eine entsprechende notwendige raumordnungssachliche Prüfung im Zuge der Studie nicht vorgenommen wurde. Es ist Aufgabe des Amts für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration diese Prüfung für handfeste Projekte durchzuführen“, betont Planungsstadtrat Fritz. Klar sei aber, dass Innsbruck zusätzliche Betten braucht, um das Potenzial als Wirtschaftsstandort erfolgreich auszuschöpfen. (hu, TT)
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