Haderers Kunstkühe in Alpbach: Das geht doch auf keine Kuhhaut mehr
Plötzlich standen am Dienstagnachmittag im Tiroler Bergdorf Alpbach die Kühe im Mittelpunkt. Aber keine echten, sondern die vom Karikaturisten Gerhard Haderer gestalteten Kühe.
Von Peter Nindler
Alpbach — Der Gesprächsstoff ging den TeilnehmerInnen in Alpbach bei der Konferenz über „Frauen in Bergregionen" nicht aus. Und im Mittelpunkt stand dabei ein Mann — nämlich Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (VP). Dass der Frauenarbeitskreis der unabhängigen Österreichischen Berg- und KleinbäuerInnenvereinigung (ÖBV) seiner Kritik an der aktuellen Agrarpolitik mit einer Kunstinstallation von Kunstkühen des Karikaturisten Gerhard Haderer Nachdruck verliehen hatte, irritierte den Minister.
Kurzzeitig wurden die herumkugelnden Rindvieher („Bei diesen Preisen geht uns die Luft aus") von Alpbachs Bürgermeister Markus Bischofer entfernt — die TT berichtete. Nach „langwierigen Verhandlungen", wie Bergbäuerin Heidi Rest-Hinterseer erklärt, habe man sie wieder „freigelassen".
Bereits Dienstagabend bedauerte Rupprechter das Missverständnis. „Ich begrüße diese künstlerische Installation." Es sei ein kritisch konstruktives Statement, das als solches offensichtlich nicht erkennbar gewesen sei, sagte er zur TT. Das lassen die betroffenen Bäuerinnen jedoch so nicht stehen. „Offenbar kann Rupprechter nicht mit Kritik an der Agrarpolitik umgehen. Schon seit längerer Zeit negiert er unsere konstruktive Kritik", fügt Rest-Hinterseer hinzu.
In Alpbach haben die Bäuerinnen ihre Forderungen zugegebenermaßen aktionistisch vorgebracht. Für die Sprecherin des Ministers, Magdalena Rauscher-Weber, war es durchaus „aggressiv". Enttäuscht waren die unabhängigen Bäuerinnen außerdem darüber, dass Rupprechter ihre Petition zu den Berggebieten und für die Gleichberechtigung von Frauen in der Landwirtschaft schlichtweg negiert habe.
Angelika Hörmann von der Grünen Wirtschaft Tirol unterstreicht das. „Auf ihre inhaltlichen Forderungen ist der Minister nicht eingegangen." Man versucht jetzt, das Geschehene kleinzureden, schließlich sei die ÖVP sehr massiv in Alpbach vertreten gewesen. „Dieses Handeln ist ein Zeugnis der tradierten männlichen Rituale gegenüber aufmüpfigen Frauen. Und das bei einer so hochkarätig besetzten Konferenz."
Das lässt Rupprechter-Sprecherin Rauscher-Weber keinesfalls so stehen. „Die Petition wurde dem Minister kurz vor seiner Rede überreicht. Sehr wohl wird er sich damit inhaltlich auseinandersetzen." Das habe er auch bei der Konferenz angekündigt.
Haderers Kühe haben jedenfalls hitzige Diskussionen ausgelöst. Hinter den Kulissen dauerten diese gestern in Alpbach übrigens noch an.