Ein Blick in alte Stollen

Vor 70 Jahren wurde hier Kohle abgebaut, in einem Gebiet, wo man auf 300 Millionen Jahre altem Gestein wandert: Eine kurzweilige Bergtour bietet der Bergwerksweg Nösslach.

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Der Eingang des Friedrichsstollens wurde vor einigen Jahren wiederhergestellt.
© privat

Von Irene Rapp

Gries am Brenner –An Wintertagen mit hoher Lawinenwarnstufe ist die Skitour auf das Nösslachjoch oberhalb von Gries am Brenner eine beliebte Alternative: Lange im Wald muss man erst auf den letzten Metern hinaus ins freie Gelände, Lawinengefahr ist aufgrund der mäßig steilen Hänge so gut wie kein Thema.

Winterliche Bedingungen herrschen hier immer noch. Am Ostermontag, als wir den Bergwerksweg Nösslach abgingen, gab es jedoch kaum Schnee. Mit guten Schuhen sollte die Wanderung trotz des jüngsten Wintereinbruchs dennoch kein Problem sein, vor allem, weil die südostseitige Ausrichtung bald wieder für ein anderes Bild sorgen wird.

Ein Blick ins Innere des Friedrichsstollens.
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Zu empfehlen ist diese Runde, die sich ab der Nösslachhütte links der Aufstiegsroute für Tourengeher Richtung Nösslachjoch (2231 m) hinaufzieht, allemal: zum einen, weil die Gegend historisch bedeutend ist. Zum anderen, weil es viel zu sehen gibt. Und nicht zuletzt, weil lediglich rund 400 Höhenmeter zurückgelegt werden müssen.

So kommt man hin: Von Innsbruck kommend von der A13 bei Nösslach abfahren, dann rechts halten (Wegweiser Hotel Humler). Kurz vor dem Hotel links abbiegen und zunächst leicht ansteigend so lange geradeaus, bis man die drei hintereinanderliegenden Parkplätze erreicht (Achtung: gebührenpflichtig. Fünf Stunden: drei Euro). Dort das Auto abstellen und zunächst der breiten Forststraße hinauf zur Nösslachhütte folgen.

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Unter dem Friedrichsstollen kann man die Reste der Seilbahn entdecken.
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Wer auf dieser nicht gehen will, hat bald die Gelegenheit, in einen Pfad in den Wald hinein abzubiegen (grüner Wegweiser „Bergwerksweg Nösslachjoch“). Auf einem beschaulichen Waldweg geht es hinauf, links kann man schon die ersten, für diese Gegend typischen wunderschönen Holzzäune sehen (und wenn ich richtig gesehen habe, sind diese aus verschiedenen Querlatten lediglich zusammengesteckt, es gibt keine Nägel).

Bei einer Wegteilung hält man sich rechts, hinauf geht es auf eine kleine Lichtung, dann links weiter durch Wald bergauf. Der Pfad mündet wieder in die Forststraße, der man noch um eine Rechtskurve folgt und dann steht man schon vor der Nösslachhütte (1606 Meter, 30 Minuten Gehzeit).

Die Lärchenmähder am Nösslachjoch sind auch im winterlichen Frühjahr eine Augenweide.
© privat

Auf der Fassade einer Seitenwand des Hauses ist bereits jener Stolleneingang zu sehen, den man später in natura erblicken wird – doch noch muss man sich gedulden. Links vom Spielplatz der Nösslachhütte geht es Richtung Obernbergtal hinein in den Bergwerksweg und gleich zu Beginn ist in einem Bildstock eine Figur der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, zu sehen. Daneben steht die erste von mehreren Infotafeln mit Wissenswertem zum Bergwerksweg und noch weiter Zurückliegendem.

Einer, der bei der Entstehung des Weges vor rund zehn Jahren beteiligt war, ist Helmut Gassebner. „Bis in die 1950er-Jahre wurde in dieser Gegend Steinkohle abgebaut, dafür wurden zahlreiche Stollen in den Berg getrieben“, erzählt der Naviser, von mindestens sieben Stollen bis auf eine Höhe von 1900 Metern ist zu lesen. Dass diese Arbeit eine mühevolle war, kann man sich vorstellen, das zeigen auch Schwarz-Weiß-Fotos auf den Infotafeln. Immerhin handelte es sich dabei um das höchstgelegene Kohlebergwerk Europas. Wo heute ein Jugendheim steht, standen einst Baracken für die Bergwerksleute, sogar eine Seilbahn ins Tal wurde für den Kohlen-Abtransport gebaut. Teile der Stützen und Fundamente der Bergstation kann man auf rund 1800 Metern Höhe immer noch sehen.

© TT

Man hält sich zunächst immer auf dem Waldweg, ein kleines Bächlein muss übersprungen werden, dann landet man auf einer Forststraße. Und eigentlich sollte man die ganze Zeit voller Andacht dahinschreiten: Denn, auch das verrät eine der Infotafeln, man wandelt u. a. auf Gestein, welches vor über 300 Millionen Jahren in Afrika entstanden ist. Die weitere Geschichte ist aus der Schule bekannt: Der afrikanischer Kontinent schiebt sich nach Norden und prallt mit Europa zusammen, wodurch sich die Alpen bilden. Mit Glück lassen sich daher in der Gegend immer noch Versteinerungen tropischer Pflanzen entdecken.

Immer weiter geht es auf dem Forstweg, dann nach einer Rechtskurve landet man wieder auf einem Steig. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Friedrichsstollen auf rund 1800 Metern Höhe. Der Stolleneingang wurde vor rund zehn Jahren wiederhergestellt, durch ein Gitter kann man hineinblicken und das Glucksen jenes Baches hören, der aus dem Stollen heraus ins Freie rinnt. „Dieser Stollen wurde rund 800 Meter in den Berg hineingetrieben“, erzählt Gassebner, die Bergwerksarbeiter waren wirklich nicht zu beneiden.

Vom Friedrichsstollen führt nun ein kleiner, steiler Steig wieder hinunter: Vorbei am Jugendheim und schönen Bergmähdern geht es zur Nösslachhütte, dann auf bekanntem Weg wieder zum Ausgangspunkt.


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