Ein Tiroler in Kiew: Greift Nathan Trent heute nach den Sternen?

Beim 2. Halbfinale des Eurovision Song Contest in Kiew will Nathan Trent heute Abend Österreichs bescheidene Bilanz aufpolieren. Vieles spricht für einen Finaleinzug – das größte Plus ist dabei er selbst.

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Nathan als "Mann im Mond" oder doch "Der kleine Prinz"? Die gelungene Inszenierung von "Running on Air" lässt viele Assoziationen zu.
© Andres Putting

Von Tamara Stocker

Innsbruck – Vor drei Jahren grassierte das Wurst-Fieber in Europa. Am 11. Mai 2014 triumphierte Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen. Ein Jahr später durfte Wien das Musikspektakel zum zweiten Mal in der Geschichte austragen. Doch auf den Punkteregen folgte ein Gewitter – mit den „Makemakes“ musste man die Tabelle schon umdrehen, um Österreich ganz oben zu sehen.

Erfolgsverwöhnt ist die Alpenrepublik in Sachen ESC ohnehin nicht. Mit sieben letzten und dutzenden hinteren Plätzen – wenn es überhaupt für eine Final-Qualifikation gereicht hat – fällt die Bilanz für Österreich sehr bescheiden aus. Seit 2004 stand man überhaupt nur drei Mal im Finale – 2011 mit Nadine Beiler, 2014 mit Conchita und im letzten Jahr mit Zoe Straub. Mit französischem Charme brachte die Wienerin die Alpenrepublik wieder auf Kurs, belegte Platz 13. Und jetzt? Jetzt sind alle Augen auf Nathan Trent gerichtet, der es heute Abend beim 2. Halbfinale in Kiew richten soll.

Ob es der Jungspund schafft, in die großen Fußstapfen von Udo Jürgens (gewann 1966 mit Merci Chéri) oder Conchita Wurst zu treten und mit seinem Beitrag „Running on Air“ 41 Konkurrenten auszustechen? Bestimmt nicht. Aber ein Finalticket scheint laut derzeitigem Stand sehr wahrscheinlich – wenn man den Wettquoten traut. Die Buchmacher attestieren dem Tiroler aktuell den 8. Platz im 2. Halbfinale – was einem Finaleinzug gleichkommt. Dort soll Trent dann im Mittelfeld landen (derzeit Platz 17). Ob sich der Trend der Wettbüros bestätigt, wird sich zeigen. Letztlich liegt es nämlich in den Händen der Zuschauer und Jurys, über Sieg oder Niederlage zu entscheiden.

Viele Sympathiepunkte gesammelt

Und wie schätzt der 25-Jährige selbst seine Chancen ein? „Es ist immer schwierig, für so ein Event eine Prognose abzugeben, deswegen gehe ich einfach positiv und gut gestimmt in die Sache rein, werde mein Bestes geben und das Publikum hoffentlich mitreißen können.“

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Das 2. Halbfinale

Als absolute Fixstarter für das Finale sehen nicht nur die Buchmacher derzeit Bulgariens erst 17-jährigen Vertreter Kristian Kostov mit „Beautiful Mess“, der auf Platz 1 gereiht ist. Das Stockerl vervollständigen momentan die rumänischen Popjodler Ilinca und Alex Florea mit ihrem programmatischen Titel „Yodel It!“ sowie die drei niederländischen Damen O‘G3NE mit „Lights And Shadows“. Aber auch der dänische Beitrag „Where I Am“ von Anja Nissen mischt vorne mit. Ans Kofferpacken können sich hingegen – zumindest laut den Zockern – bereits Länder wie Litauen, Malta oder ESC-Veteran Ralph Siegel mit seinem sanmarinesischen Beitrag machen. Auch für unsere Schweizer Nachbarn wird es knapp.

* Die Songs des 2. Halbfinales könnt ihr euch hier anhören:

http://go.tt.com/2pChK6b

* Mehr Infos im News-Blog:

http://go.tt.com/esc-blog

Vor Ort ist das dem Tiroler bereits gelungen. Mit seinem jungenhaften Charme und seiner fröhlichen Art mauserte er sich rasch zu „Everybody‘s Darling“. Er strahlt, er lächelt – und ist dabei wahnsinnig authentisch. Das kommt an. Das bestätigt auch der Inzinger Robert Wild, der nach Kiew gereist ist, um dort den ESC live zu verfolgen. „Bei den Fans ist Nathan wahnsinnig beliebt, er ist offenherzig und seine Motivation steckt an.“

Der Mond hängt in der Luft, er ist Hoffnungsbringer und ein Zeichen für den Glauben an sich selbst. Das ist die Essenz meines Songs.
Nathan Trent über sein Bühnenbild

Während Nathan also die Sympathien der Zuschauer zufliegen, setzt er selbst zur Mondlandung an. Bei seinem Auftritt steht ihm nämlich ein Halbmond im Discokugelglitzerkleid zur Seite. Dank dem hohen Wiedererkennungswert der Inszenierung kann der Song auch von der frühen und taktisch ungünstigen Startnummer zwei seine Wirkung entfalten, denn: „Running on Air“ ist zwar unscheinbar, aber ganz klar eine der optimistischsten im Wettbewerb.

Zweisprachig aufgewachsen

Vor Optimismus strotzt auch der italienische Beitrag. Dass Francesco Gabbani mit seinem „Occidentali‘s Karma“ heuer das Rennen macht, da sind sich die Buchmacher weitgehend einig. Dem 44-Jährigen dürfte auch Nathan Trent fest die Daumen drücken. Als Sohn einer Italienerin und eines Tirolers schlagen nämlich zwei Herzen in seiner Brust.

Geboren wurde Nathanaele Koll – so sein bürgerlicher Name – am 4. April 1992 in Innsbruck. Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Im zarten Alter von drei Jahren erhielt er seinen ersten Unterricht am Piano und an der Violine, Papa Reinhard ist Orchesterviolinist am Landestheater. Es folgten Musical-Auftritte, der Kiddy Contest und eine Teilnahme an der Castingshow „X-Factor“ in Deutschland. Dann zog es den Tiroler nach Wien, wo er „Musikalisches Unterhaltungstheater“ an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien studierte und nebenher viel Bühnenerfahrung sammelte. Das dürfte ihm in Kiew sicher zu Gute kommen.


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