Weitere Festnahmen und ein Zeichen gegen Terror in Manchester
Das Netzwerk beim Terroranschlag von Manchester scheint größer zu sein als angenommen. Mittlerweile sind 14 Verdächtige in Haft. Die Polizei arbeitet mit tausend Beamten an dem Fall.
Manchester - Der jüngere Bruder des Attentäters von Manchester hatte einer britischen Zeitung zufolge einen Terroranschlag auf den deutschen UN-Libyengesandten Martin Kobler geplant. Der für Anfang dieses Jahres vorgesehene Angriff auf Koblers Konvoi konnte verhindert werden, wie der Telegraph am Sonntag berichtete.
Der jüngere Bruder Hashim Abedi soll einer Jihadistengruppe angehören. Libysche Sicherheitskräfte hätten die Gruppe monatelang beobachtet, schrieb die Zeitung und berief sich auf Diplomatenkreise. Eine Reaktion von Kobler war in Libyen zunächst nicht zu bekommen.
Großbritanniens Innenministerin Amber Rudd räumte ein, dass Salman Abedi bereits dem Geheimdienst aufgefallen sei. Details nannte sie in einem BBC-Interview aber nicht. Die Polizei arbeitet nach eigenen Angaben mit tausend Beamten an dem Fall. Sie habe bereits „gute Fortschritte" gemacht. Schon am Freitag teilte die Polizei mit, dass sie „große Teile des Netzwerks" hinter dem Anschlag zerschlagen habe, das die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamierte.
Am Sonntag nahmen Beamte bei einer Hausdurchsuchung in Osten von Manchester einen weiteren 25-jährigen Verdächtigen fest. In der Nacht auf Montag wurde ein 23-Jähriger festgenommen. Damit sind 14 Personen in Polizeigewahrsam. Montagfrüh liefen zwei Hausdurchsuchungen in Manchester und Chester.
Am Sonntag veröffentlichte die Polizei erstmals Fotos des 22 Jahre alten Attentäters von Manchester kurz vor seinem Anschlag auf Besucher eines Pop-Konzerts. Auf den zwei Bildern von Überwachungskameras trägt Salman Abedi einen Rucksack und eine Brille. Die Polizei bat die Bevölkerung um Hinweise zu einer Wohnung, in der sich Abedi vor der Bluttat aufgehalten haben soll. Vermutlich habe er dort die Bombe zusammengesetzt.
Salman Abedis jüngerer Bruder Hashim soll in die Anschlagspläne eingeweiht gewesen sein. Die Polizei nahm ihn am Dienstag in Libyens Hauptstadt Tripolis fest. Auch der Vater wurde festgesetzt. Hashim Abedi soll ausgesagt haben, dass er und Salman die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützten.
Interne Ermittlungen bei MI5
Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 hat einem Insider zufolge eine interne Untersuchung zum Anschlag in Manchester eingeleitet. Geprüft werde, ob "Lehren daraus gezogen werden müssen, wie der Geheimdienst mit dem Material" zum Selbstmordattentäter Salman Abedi umgegangen sei, sagte die Person, die namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters.
Der in Großbritannien geborene Muslim libyscher Abstammung habe zwar zu den 20.000 Personen gehört, die in den Akten des MI5 geführt worden seien, jedoch nicht zu den 3.000, gegen die ermittelt werde. Innenministerin Amber Rudd begrüßte die Untersuchung als ersten guten Schritt. Die britischen Behörden geben selten Ermittlungen bekannt, bei denen ein mögliches Versagen des MI5 geprüft wird. Dem Sender BBC zufolge waren vor dem Anschlag in der vergangenen Woche mindestens drei Warnungen eingegangen.
Zeichen gegen Terror bei Halbmarathon
Zehntausende Sportler und Zuschauer haben in Manchester am Sonntag ein beeindruckendes Zeichen gegen den Terror gesetzt. Sechs Tage nach dem Selbstmordanschlag versammelten sie sich in der englischen Stadt zu einem Halbmarathon.
Mehr als 30.000 Läufer nahmen an der durch ein massives Polizeiaufgebot gesicherten Sportveranstaltung teil. Nach einer Schweigeminute vor dem Start sangen viele zusammen den Oasis-Klassiker „Don't Look Back In Anger" (Schau nicht im Zorn zurück). Einige waren als Feuerwehrmann oder Superheld verkleidet, um den Rettungskräften für ihren Einsatz nach dem Anschlag zu danken. Viele Läufer trugen als Zeichen der Solidarität mit den Terroropfern gelbe Bänder und Bienen-Symbole. Die Arbeitsbiene steht für Manchesters Fleiß und Stolz. (dpa, APA/AFP, TT.com)