Schlaglicht auf die Stadtgeschichte
Innsbruck – Christoph Raitmayr kennt man als Schöpfer modellhafter Installationen, in denen sich Sehnsuchtsräume, aber auch Abgründe auftun ...
Innsbruck –Christoph Raitmayr kennt man als Schöpfer modellhafter Installationen, in denen sich Sehnsuchtsräume, aber auch Abgründe auftun können. Im Rahmen der Aktion Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) ist der Innsbrucker Bildhauer, 2016 mit dem Paul-Flora-Preis ausgezeichnet, vom Modellhaften in den Originalmaßstab gegangen. Und hat eine Laterne vor den Innsbrucker Dom gestellt, die auf den ersten Blick nicht besonders aus dem Rahmen herkömmlicher Stadtbeleuchtungen zu fallen scheint. Nun gut: Es ist vielleicht nicht das allerneueste Modell. Und vielleicht auch ein wenig seltsam platziert? Am verdächtigsten aber wirkt der Knick, der den Laternenmast zuerst einmal im Kreis und dann erst weiter in die Höhe führt.
Es darf darin bildhauerisches Bemühen im Spiel mit der Form erahnt werden. Und das Anliegen, damit auch das Denken ums Eck zu lenken.
Raitmayrs Laterne ist eines jener im Rahmen der KÖR-Aktion umgesetzten Projekte, die die Frage, wie öffentlicher Raum besetzt ist (und von wem), ins Bewusstsein holen wollen. Gewohnte Sichtweisen ins Wanken zu bringen, ist dafür ein probates Mittel.
Die Laterne steht hier also nicht allein als Stahl-Skulptur, sondern auch als Synonym für Stadtentwicklung: In den Jahrhunderten, in denen die Straßenbeleuchtung vom Öl- zum Gas- zum Strombetrieb umgestellt wurde, erfuhren auch urbane Strukturen tiefgreifende Veränderungen. Vielleicht sind die, die heute vor sich gehen, die tiefgreifendsten. Es kann nicht schaden, einmal hinzuleuchten. (jel)