Tankstelle für Sauerstoff macht Kranke mobiler
Das Spital Lienz ist das erste Tirols, in dem Lungenkranke kostenlos auftanken können. Damit sind sie weniger an ihr Zuhause gebunden.
Von Catharina Oblasser
Lienz –Zigtausende Menschen in Österreich sind auf flüssigen Sauerstoff angewiesen, um richtig atmen zu können. Sei es nur über Nacht oder auch bis zu 16 Stunden am Tag. Grund kann eine Lungenfibrose, Asthma oder ein anderes Leiden sein. Diese Menschen haben zuhause einen großen Sauerstoffbehälter und atmen den lebenswichtigen Stoff über eine Nasenmaske ein. In Osttirol sind schätzungsweise 70 bis 100 Menschen betroffen.
Für unterwegs gibt es kleine tragbare Tanks, die man am Behälter daheim auffüllen kann. Nicht für alle ist das eine praktikable Lösung, wissen Otto Spranger von der Lungenunion Österreich und Ernst Streit, Leiter der Selbsthilfegruppe für COPD-Betroffene. COPD ist ein Sammelbegriff für Lungenleiden, die mit Husten und Atemnot einhergehen.
„Wenn jemand etwa aus St. Jakob nach Lienz fahren muss, für Arzttermine, Behördenwege oder Einkäufe, so reicht der kleine Tank oft nicht aus“, beschreibt Streit, der wegen COPD selbst Sauerstoff benötigt, seine Erfahrungen aus der Selbsthilfegruppe. Denn im Durchschnitt reicht der Sauerstoff darin nur für vier bis fünf Stunden – bei einem schweren Krankheitsstadium auch weniger lang. Deshalb hat Streit gemeinsam mit Spranger, dem Lienzer Bezirkskrankenhaus (BKH) und der Selbsthilfe Osttirol eine Lösung gesucht und gefunden: eine Sauerstofftankstelle, die im Krankenhaus stationiert ist. „Jeder, der Bedarf hat, kann zu uns kommen, rund um die Uhr, und seinen tragbaren Tank nachfüllen“, erklärt BKH-Verwaltungsleiterin Helene Brunner. „Das ist kostenlos. Man braucht sich nur an den Portier zu wenden, dann wird alles in die Wege geleitet.“ So reduziert sich der Stress, den Sauerstoff-Patienten sonst haben, beträchtlich. Sie müssen keine Angst haben, zu spät zum „Nachtanken“ nach Hause zu kommen. „Das macht die Betroffenen viel mobiler und wirkt sich unmittelbar auf die Lebensqualität aus“, fügt der Ärztliche Leiter des BKH, Martin Schmidt, hinzu.
Selbstverständlich steht die Sauerstofftankstelle nicht nur den Osttirolern, sondern auch Urlaubern oder anderen Besuchern im Bezirk offen. „Abgesehen von dem administrativen Aufwand ist das Ganze nicht mit Kosten für das Spital verbunden“, erklärt Helene Brunner. Firmensponsoren sorgen dafür.
Das BKH Lienz ist das erste Spital in Tirol und das dritte in Österreich, das diese Tankstelle für die Atemwege anbietet. Für die Verwaltungsleiterin ist dies ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und Krankenhaus.
In Österreich gibt es neben den drei Sauerstofftankstellen in Spitälern noch 31 weitere in Apotheken. Zwei davon sind in Tirol: die Stadtapotheke in Landeck und die St. Anna-Apotheke in Innsbruck.