Internationale Pressestimmen nach dem G-7-Gipfel

Brüssel/Washington (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen schreiben am Montag nach dem G-7-Gipfel in Sizilien und den Beziehungen Europas mit den USA...

Brüssel/Washington (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen schreiben am Montag nach dem G-7-Gipfel in Sizilien und den Beziehungen Europas mit den USA bzw. zum Umgang mit US-Präsidenten Donald Trump:

„Politiken“ (Kopenhagen):

„Auf dem G-7-Treffen bestätigte Trump nur seine mangelnde Führungskraft, als er die Verpflichtung der USA zum globalen Klimaabkommen von Paris hinauszögerte. Trumps neun Tage lange Tour durch den Nahen Osten und Europa zerstörte jede Illusion, dass er vielleicht besser ist als befürchtet. Er ist genauso schlimm wie befürchtet.“

„Times“ (London):

„Der europäische Teil seiner Auslandsreise hat jedem, der das vielleicht noch bezweifelte, gezeigt, dass dieser Präsident leicht zu verhöhnen ist. Zugleich ist er aber auch leicht zu unterschätzen. Seit er ins Oval Office kam, hat er in Sachen China rasch gelernt und still und leise davon Abstand genommen, mit China einen Handelskrieg anzufangen oder Peking als Währungsmanipulator zu brandmarken, obwohl er das im Wahlkampf versprochen hatte. Auf Anraten Kanadas und Mexikos hat er klugerweise darauf verzichtet, das Freihandelsabkommen für Nordamerika in Stücke zu reißen. Und er hat die Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim aufrechterhalten. Die NATO hat er nun zwar beunruhigt, indem er die gegenseitige Verteidigungsgarantie nicht ausdrücklich bekräftigte. Und er hat die G-7 beunruhigt, indem er sich nicht zum Klimavertrag von Paris bekannte. Doch beides wäre immer noch möglich - und es wäre klug von ihm, wenn er es täte.“

„De Tijd“ (Brüssel):

„Die Antwort auf den Bulldozer-Präsidenten kam aus einem Bierzelt in München. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte fest, die ‚Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei‘. Und sie schlug gleich ein neues Kapitel auf: ‚Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.‘

Die deutsche Kanzlerin hat erkennbar die Nase voll vom amerikanischen Präsidenten. Nach einem bemerkenswerten Besuch im Weißen Haus, bei dem Merkel bereits sichtlich von ihrem Gastgeber genervt war, seinen Auftritten im neuen NATO-Gebäude und beim G-7-Gipfel in Taormina, reicht es Berlin nun. Washington wird nicht länger als vertrauenswürdiger Mitstreiter angesehen. Europa muss nun allein weitermachen. In aller Freundschaft übrigens. Merkel ist keine Frau, die Menschen von vornherein ausschließt. Aber sie ist auch jemand, der einmal getroffene Entscheidungen nicht so leicht wieder ändert. Das Bierzelt in München könnte daher sehr wohl ein Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen sein.“

„Tages-Anzeiger“ (Zürich):

„Angesichts der gewaltigen Differenzen und Trumps quälender Selbstgefälligkeit wird sich mancher Präsident oder Regierungschef mittlerweile die Frage stellen, ob sich ein Meinungsaustausch mit ihm überhaupt noch lohnt. Der Frust ist verständlich - und doch hätte es fatale Folgen, gäbe man ihm nach. Was wäre gewonnen, wenn sich die deutsche Kanzlerin ähnlich arrogant aufführte wie der Selbstdarsteller aus Washington? Wenn auch Emmanuel Macron plötzlich anfinge zu drängeln? Dem Egozentriker den Dialog zu verweigern, hieße, ihn noch aufzuwerten und seinen Furor zu befeuern.

Es bleibt deshalb nichts anderes übrig, als im Gespräch zu bleiben. Das ist kein Plädoyer dafür, sich an Trump zu gewöhnen, Rüpeleien, Banalität und Sexismus hinzunehmen oder, etwa in der Klimapolitik, einfach stehen zu bleiben. Im Einzelfall sind sogar sehr viel deutlichere Widerworte nötig. Zugleich heißt es aber, anzuerkennen, dass die Existenz dieses US-Präsidenten real ist.“

„El Pais“ (Madrid):

„Der G-7-Gipfel von Taormina ist - wie vorhersehbar war - gescheitert. Mit seiner Haltung während der Sitzung hat Donald Trump erneut gezeigt, dass seine Ideen (sie in die Kategorie Politik zu erheben wäre übertrieben) potenziell ein schweres Hindernis für den internationalen Handel und für jede Initiative darstellen, die den Klimawandel aufhalten will (...). Als Angela Merkel die Verhandlungen als ‚schwierig und unzufriedenstellend‘ bezeichnet hat, hat sie sich wahrscheinlich noch diplomatisch gezeigt.“

„La Repubblica“ (Rom):

„(Merkel) hat Tacheles geredet mit Blick auf das Benehmen des amerikanischen Präsidenten. ‚Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt‘, also in der Auseinandersetzung mit Trump während dessen ersten zwei Etappen in Europa, auf dem NATO-Gipfel von Brüssel und beim Gipfel der großen Sieben auf Sizilien. Und die Kanzlerin hat, nicht zufällig, einen Satz wiederholt, den sie bereits anderentags bei der Ankunft von Trump gesagt hatte: ‚Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.‘ Ungewöhnlich schonungslose Sätze für die christdemokratische Anführerin, die normalerweise dazu neigt, versöhnliche und mildere Töne anzuschlagen.“

„Liberation“ (Paris):

„Macron weiß Trump die Hand zu schütteln, die Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen und Freundschaften zu pflegen. Das diplomatische Ballett, das er zusammen mit Merkel aufgeführt hat, zeugt von Können. Die beiden europäischen Partner scheinen bereits ein wahres ‚Power Couple‘ zu bilden (...). Macron, der kleine Neue, bietet Trump bei der Klimafrage einen möglichen, das Gesicht wahrenden Ausweg an, während Merkel den US-Präsidenten an die harte Realität erinnert. Wir werden diese Woche sehen, ob Trump die ausgestreckte Hand im Namen der gegenseitigen Interessen ergreift.“

~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA125 2017-05-29/11:00