Filmmonat Juni: Freiluftkinos, Kurzfilmfestivals und Trintignant
Wien (APA) - Die sommerlichen Temperaturen bringen auch die ersten Freiluftkinos mit sich. Neben vielen Open-Air-Kinos, die bereits im Juni ...
Wien (APA) - Die sommerlichen Temperaturen bringen auch die ersten Freiluftkinos mit sich. Neben vielen Open-Air-Kinos, die bereits im Juni in Wien eröffnen, wartet der Filmmonat mit Festivaltreiben von Kurzem über Queeres bis zu Italienischem sowie hohem Besuch von Frankreichs Altstar Jean-Louis Trintignant auf. Und Arman T. Riahi liefert mit „Die Migrantigen“ womöglich den heimischen Kinohit dieses Sommers.
Wiener Sommerkinos: Filmschauen unter freiem Himmel gehört inzwischen zum fixen Bestandteil des Wiener Sommervergnügens. Auch heuer warten wieder zahlreiche Fixstarter wie das Filmfestival am Rathausplatz (ab 30. Juni), das Kino wie noch nie (ab 29. Juni), das Kino am Dach (ab 8. Juni) oder das durch die Bezirke tingelnde Volxkino (ab 7. Juni) mit breitem Angebot auf. Den Anfang macht die „Science Fiction im Park“-Reihe in Margareten, die bereits heute, Montag, eröffnet hat: Unter dem Motto „Female“ wird bis 3. Juni bei freiem Eintritt im Bruno-Kreisky-Park die Rolle von Frauen im Sci-Fi-Film thematisiert.
VIS Vienna Shorts (1. bis 6. Juni): Mit kürzerem Namen und kürzerer Laufzeit zeigt VIS an sechs Festivaltagen knapp 350 Kurzfilme, Animationen und Musikvideos, wobei das Festivalzentrum wegen des Umbaus des Künstlerhauses ins Metro Kinokulturhaus wandert und das Filmcasino als zweite Hauptspielstätte dazustößt. Mit „Trust Me“ - also: „Vertrau mir“ - ist die 14. Ausgabe überschrieben, und hat in fünf kuratierten Programmen den „gefährlichen Vertrauensschwund“ in Politiker, Medien und Eliten zum Thema. Hinzu kommt das Herzstück des Festivals, der mit 100 Filmen aus 33 Ländern gespickte Wettbewerb. Spezialprogramme wie die populären „Midnight Movies“, zwei audiovisuelle Performances sowie eine Diskussionsveranstaltung und Partys runden das Festivalprogramm ab.
65 Jahre Filmakademie Wien (1. und 2. Juni): Am 26. Februar 1952 startete mit dem Sonderlehrgang für Filmkunst an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien die erste Filmausbildung Österreichs. Die Feierlichkeiten zum 65-jährigen Bestehen dauern bereits seit Herbst an, und finden nun am mdw Campus ihren Höhepunkt: An zwei Tagen veranstalten die Fachbereiche der Filmakademie Wien Diskussionen und Vorträgen zu aktuellen Themen und Tendenzen der Filmausbildung, und begrüßen dazu prominente Gäste wie Barbara Albert, Michael Köhlmeier, Käthe Kratz und Schauspiellegende Jean-Louis Trintignant.
Jean-Louis Trintignant zu Gast an der Filmakademie und im Filmmuseum (2. und 3. Juni): Jean-Louis Trintignant hatte mit seiner Leinwandkarriere bereits abgeschlossen, als er nach fast zehn Jahren Pause für Michael Hanekes zärtliches Sterbedrama „Amour“ (2012) doch wieder vor der Kamera stand. Fünf Jahre später arbeitet er erneut mit „einem der größten Filmemacher der Welt“, paraphrasiert als lebensmüder Patriarch in „Happy End“ seine „Amour“-Rolle. Knapp zehn Tage nach der Uraufführung des Familiendramas im Wettbewerb von Cannes zeigt das Duo seinen Film bei einem Galaabend anlässlich des 65-jährigen Bestehens der Filmakademie in Wien. Zuvor kommen ausgewählte Studenten in den Genuss einer Meisterklasse mit den beiden Altmeistern, und am Folgetag wohnt Trintignant den Screenings zweier Schlüsselwerke seiner Karriere bei - neben „Amour“ ist im Filmmuseum auch Bernardo Bertoluccis „Der große Irrtum“ (1970) angesetzt.
Festival of Nations - Kurzfilmfestival in Lenzing (2. bis 8. Juni): Zum fünften Mal findet das Festival of Nations in den Lichtspielen Lenzing statt. Aus 1.100 Einreichungen wurden knapp mehr als 100 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme mit einer Länge bis zu 30 Minuten ausgewählt und in 21 Filmblöcken zusammengefasst, wobei viele der Filmemacher den Screenings persönlich beiwohnen. Das Rahmenprogramm dreht sich ganz um den nahen Attersee, ist doch u.a. eine Bootsfahrt und ein Grillfest am Ufer geplant. Erstmals wurde dem Festival die Lenzinale, eine Jugend-Kurzfilm-Akademie, vorangestellt. Die Filme, die in diesem Rahmen realisiert wurden, eröffnen das Festival am 2. Juni.
Nuovo Cinema Italia im Votivkino (8. bis 15. Juni): In der Sommerzeit rückt Bella Italia bei vielen in den Fokus. Wer sich dennoch nicht selbst gen Süden aufmachen will, hat ab 8. Juni im Wiener Votivkino wieder die Möglichkeit, auf cineastische Italienreise zu gehen. Zum 15. Mal lockt das Nuovo Cinema Italia mit elf Filmen des zeitgenössischen italienischen Kinos, wobei man von Komödien über neorealistische Dramen bis hin zum Dokumentarfilm ein breites Genrespektrum abdeckt. Der 2015 verstorbene Filmemacher Claudio Caligari wird etwa mit seinem Vermächtnis „Non essere cattivo“ gewürdigt, während ansonsten ein kleiner Schwerpunkt auf Venedig liegt. Die Lagunenstadt spielt im Klassiker „Pane e tulipani“ von Silvio Soldini ebenso eine Hauptrolle wie in der Dokuarbeit „Das Venedig Prinzip“.
identities - Queer Film Festival in Wien (8. bis 18. Juni): Seit 1996 lädt das biennal stattfindende identities-Festival zu einem Querschnitt über queeres Filmschaffen in das Wiener Filmcasino, das Metro Kinokulturhaus sowie zur Eröffnungsgala ins Gartenbaukino. Dort ist zum Auftakt am 8. Juni Maysaloun Hamouds Debütfilm „Bar Bahar“ zu sehen, der drei palästinensische Frauen in Tel Aviv porträtiert, die zwischen Tradition und Moderne, Gehorsam und Freiheitsstreben changieren. Insgesamt sind dann bis 18. Juni 32 Spiel- und 13 Dokumentarfilme mit lesBiSchwulem Themenschwerpunkt zu sehen. Hinzu kommen Gespräche mit den Filmschaffenden, Familienjausen oder auch ein Abschlussdrink im Metro Kinokulturhaus.
Shochiku New Wave. Japanisches Kino 1960 im Österreichischen Filmmuseum (8. bis 19. Juni): Nicht nur im westlichen Kino hinterließ die Nouvelle vague in den 1960ern ihre Spuren, auch im Filmland Japan rief das Studio Shochiku seine eigene neue Welle aus, die Jungregisseuren wie Oshima Nagisa, Shinoda Masahiro oder Yoshida Yoshishige den Start ermöglichte. Diese Experimentierphase eines explizit politischen Kinos war mit Werken wie „Fuefukigawa“ oder „Akibiyori“ ebenso produktiv wie kurz, verließen die Filmemacher doch alsbald das Studiosystem und stürzten dieses in eine veritable Krise. Das Filmmuseum konzentriert sich mit seiner Reihe „Shochiku New Wave“ - der fünften Ausgabe der Serie „Kino-Atlas“ - nun auf das Jahr 1960 und präsentiert zehn Arbeiten des titelgebenden Studios. Dabei kommen nicht nur die Werke der Jungen Wilden zum Einsatz, sondern auch zwei Filme der etablierten Größen Yasujiro Ozu und Keisuke Kinoshita, mit denen die Kontinuitäten und Brüche zwischen alter und neuer Regiegeneration verdeutlicht werden sollen.
Klima-Filmtage im Cinema Paradiso Baden (19. bis 25. Juni): Zum vierten Mal lädt das Cinema Paradiso Baden in Kooperation mit der Stadtgemeinde Baden und der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich zu den Klima-Filmtagen. Gezeigt werden Arbeiten zu den Themen Klimawandel, Energiewende, Ressourcen und Umweltveränderungen. Den Anfang macht der deutsche Dokumentarfilm „Power to Change“, ein Plädoyer für den flächendeckenden Einsatz erneuerbarer Energie von Regisseur Carl-A. Fechner. An vier Abenden gibt es im Anschluss an die Filme Diskussionen mit geladenen Experten.
(S E R V I C E - www.viennashorts.com, www.filmakademie.wien, www.votivkino.at/nuovocinemaitalia/, www.filmmuseum.at, www.festivalofnations.eu/, www.cinema-paradiso.at, http://identities.at)