Confed-Cup

Stani verpasst Russland in Tirol Feinschliff für Confed-Cup

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – Stanislaw Tschertschessow ist der Chef beim russischen Nationalteam und hat alles unter Kontrolle.
© Thomas Böhm

Der Jagdhof und die Fußball-Plätze in Neustift sind fest in russischer Hand. Teamchef Tschertschessow fühlt sich im Stubai pudelwohl.

Von Wolfgang Müller

Neustift –Von wegen Stress und schwer unter Druck – „Schau mich an, mir geht es bestens“, lacht Stani Tschertschessow beim TT-Termin im Jagdhof: „Das Wetter passt, das Hotel ist perfekt, die Plätze sind gut und wenn ich auf die Berge schaue, geht’s mir erst recht gut.“

Bis 3. Juni holt sich Russlands Fußball-Nationalteam in Neustift den Feinschliff für den am 17. Juni beginnenden Confed-Cup. 24 Feldspieler und vier Tormänner werden von einem stattlichen Betreuerteam sportlich und medizinisch auf Trab gebracht. „Alle Kabel laufen bei mir zusammen“, unterstreicht der ehemalige FC-Tirol-Torhüter, wer das Sagen hat. Schließlich steht er dann auch in der Verantwortung, wenn die hohen Erwartungen des WM-Gastgebers 2018 nicht erfüllt werden.

Auf dem Trainingsplatz hat er alles im Auge. Ein strenger Beobachter. Und wenn es dann einmal nicht so läuft, wie es laufen sollte, kommt es zu „persönlichen Gesprächen“. „Die Disziplin muss stimmen. Aber ich setze auch auf die Selbstdisziplin meiner Spieler. Schließlich arbeiten wir gemeinsam an einem großen Ziel.“

Gegenüber der enttäuschenden EURO 2016 hat sich das russische Team grundlegend geändert. „Fast 80 Prozent des Kaders sind neu“, so Tschertschessow, der aufgrund fehlender WM-Qualifikationsspiele nicht so recht weiß, wo seine Mannschaft steht. Einziger Legionär im russischen Team ist Roman Neustädter, der bei Fenerbahce unter Vertrag steht. Was auch daran liegt, dass in der russischen Premier Liga stattliche Gehälter gezahlt werden.

Bis Samstag wird im Stubaital gearbeitet, dann fliegen die Russen nach Budapest, wo am 5. Juni das Testspiel gegen Ungarn auf dem Programm steht. Drei Tage später erfolgt der finale Härtetest in Moskau gegen Chile. „Daheim wird man mich in nächster Zeit nicht oft sehen“, weiß Tscher­tschessow, dass ihm intensive Wochen bevorstehen.

Zum Auftakt des Confed-Cups – ein Turnier der aktuellen Meister der sechs Kontinentalverbände, dazu der amtierende Weltmeister und der Gastgeber – treffen die Russen in der Gruppe A auf Neuseeland. Weitere Gruppengegner sind Portugal und Mexiko. Sollten sich die Russen für das Halbfinale qualifizieren, könnte Tschertschessow auf einen alten Bekannten aus FC-Tirol-Zeiten treffen. Denn in der Gruppe B spielt Weltmeister Deutschland. Und DFB-Teamchef Jogi Löw war 2002 bekanntlich FCT-Coach. „Sollte es dazu kommen, würde ich mich freuen, denn dann hätten wir ein Ziel erreicht“, so Tschertschessow, der die Lage realistisch sieht: „Noch sind andere in der Pole-Position. Das passt uns nicht, daher wollen wir es ändern.“ Dafür soll auch das Camp im Stubaital sorgen.