Andy Holzer zurück vom Dach der Welt
Mit dem „Blind Climber“ Andy Holzer sind Wolfgang Klocker und Klemens Bichler die ersten Osttiroler, die den Mount Everest bezwungen haben. Zu Hause wartete ein großer Empfang.
Von Christoph Blassnig
Tristach –Die äußeren Umstände waren wieder nicht optimal, und doch wurde das Wagnis in der Todeszone schließlich zum krönenden Erfolg: Der blinde Bergsteiger und Kletterer Andy Holzer aus Tristach und die beiden Heeresbergführer Wolfgang Klocker aus Amlach und Klemens Bichler aus Untertilliach als seine Begleiter sind die ersten Osttiroler, die den höchsten Berg der Erde bezwingen konnten. Am Montag sind die drei Extremsportler in ihre Heimat zurückgekehrt und mit offenen Armen empfangen worden. Andy Holzer hat damit alle Seven Summits, die höchsten Punkte auf allen sieben Kontinenten, erobert.
Die Bedingungen waren auch beim insgesamt dritten Versuch Holzers widrig: Wochenlang tobten Stürme und zwangen andere zum Rückzug in das Basislager. Durch die Verwehungen waren weite Strecken trockenes Gestein und das Verletzungsrisiko damit ungleich höher.
„Unsere drei Helden haben es geschafft – was für ein Erfolg!“, schwärmte Hans Themessl, der spontan einen Empfang mit der Musikkapelle in Tristach organisiert hatte. Dank der richtigen Einschätzung des Tiroler Wetterexperten Karl Gabl habe sich eine zeitliche Lücke aufgetan. Am 21. Mai 2017 um 07.20 Uhr war das Ziel erreicht. Auf 8848 Metern Seehöhe herrschte eine morgendliche Temperatur von minus 26 Grad und es war mit 30 km/h relativ windstill.
„Der Moment am Everest war für mich demütig und ehrfürchtig“, erzählt Holzer. „Mir sind alle Menschen so nahe gewesen, die mich jemals unterstützt haben, besonders mein Vater. Und ich habe gewusst: Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder ganz unten bist.“
Drei Wochen nach seinem Aufbruch war Andy Holzers Vater unerwartet verstorben. „Meine Mutter hat zu mir gesagt: Wenn du jetzt umkehrst, ändert das gar nichts. Und du zerstörst meine Welt!“ Schließlich seien es seine Eltern gewesen, die ihn von Kindesbeinen an ermutigt hätten. „Wir dürfen unseren Kindern keine Grenzen setzen, sondern müssen sie ihre Ziele verfolgen lassen!“, möchte der Extremsportler den Gipfelsieg symbolisch allen Menschen widmen.
Die ihn begleitenden Heeresbergführer Wolfgang Klocker und Klemens Bichler berichteten, dass die Männer zu dritt Höhen und Tiefen durchlebt hätten: „Wir haben uns kleine Ziele gesetzt und auch eine Schwäche bei 8600 Metern überwinden können. Leben und Tod sind einem am Everest so nah.“ Durch ein Missverständnis mit den Sherpas waren sie mit viel zu wenig Wasser zum letzten Stück aufgebrochen. „In der Todeszone musst du schneller sein als der Tod.“
Der Tristacher Bürgermeister Markus Einhauer gratulierte den Sportlern: „Auch die Verantwortung der beiden Begleiter ringt uns größten Respekt ab.“ Bezirkshauptfrau Olga Reisner überreichte Urkunden: „Wir können kaum ermessen, welche Leistung die drei vollbracht haben.“
Der Lienzer Heereskommandant Bernd Rott zeigte sich stolz, „solche Bergsteiger in unserem Kader zu haben und mit ihnen an einem Seil gehen zu dürfen“.