Lokalwahlen in Kroatien - Spannende Stichwahl in Hauptstadt Zagreb

Zagreb (APA) - In Kroatien findet am Sonntag die zweite Runde der Lokalwahlen statt. Dabei werden per Stichwahl die Bürgermeister und Hauptl...

Zagreb (APA) - In Kroatien findet am Sonntag die zweite Runde der Lokalwahlen statt. Dabei werden per Stichwahl die Bürgermeister und Hauptleute der Bezirke (Gespanschaften) ermittelt. Der erste Durchgang am 21. Mai hatte in den größten Städten Zagreb, Rijeka, Osijek und Split noch keine Sieger hervorgebracht. Die spannendste Stichwahl steht in der Hauptstadt Zagreb bevor.

In Zagreb geht der langjährige Bürgermeister Milan Bandic als Favorit in die Stichwahl. Doch Oppositionskandidatin Anka Mrak-Taritas könnte Bandic, der seit 2000 in der Hauptstadt regiert, entthronen. Es wird ein knappes Resultat erwartet; wenige hundert Stimmen könnten den Ausschlag geben.

Den ersten Durchgang gewann Bandic mit 30,9 Prozent vor Mrak-Taritas mit 24,5 Prozent. Die von den Oppositionsparteien HNS (Volkspartei) und SDP (Sozialdemokraten) unterstützte Kandidatin setzt alles darauf, die Stichwahl zu einem Referendum über Bandic zu machen. Laut einer Umfrage der Agentur Ipsos würde Bandic die Stichwahl mit einem dünnen Vorsprung von 43,6 Prozent gegen 43,3 Prozent gewinnen.

Auch in der Adriametropole Split steht ein spannendes Rennen bevor. Der ehemalige Bürgermeister Zeljko Kerum (2009-13), der vor vier Jahren abgewählt wurde, hat den ersten Durchgang zwar gewonnen, doch laut der Umfrage hat der Kandidat der rechtskonservativen HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), Andro Krstulovic-Opara, bessere Chancen den Wahlsieg letztlich davonzutragen. Demnach würde Krstulovic-Opara Kerum mit 39,2 Prozent zu 38,7 Prozent schlagen.

Für die in Kroatien die Regierung stellende HDZ wäre ein Wahlsieg in Split ein wichtiger Erfolg und auch ein Trostpflaster für den etwaigen Verlust ihrer Hochburg Knin. Dort liegt der parteiunabhängige Kandidat Marko Jelic nach dem ersten Durchgang klar in Führung vor der früheren langjährigen HDZ-Bürgermeisterin Josipa Rimac (2005-15), die in der Vergangenheit Wahlen stets locker gewinnen konnte.

In Rijeka und Osijek scheint die Wahl schon dagegen schon entschieden. Dort können die Sozialdemokraten als führende Oppositionspartei im Land mit Erfolgen rechnen. Die Sozialdemokraten werden ihre Hochburg Rijeka halten können. Ihr amtierender Bürgermeister Vojko Obersnel, der seit dem Jahr 2000 an der Spitze der Hafenstadt steht, gilt als Favorit. Ähnlich schaut es in der slawonischen Stadt Osijek aus, wo der amtierende, parteiunabhängige Bürgermeister Ivan Vrkic, der unter anderem von der SDP unterstützt wird, deutlich in Führung liegt.

Einen erbitterteren Kampf zwischen der HDZ und der Partei Most, deren Regierungskoalition auf Landesebene im Streit zerbrochen ist, wird es unterdessen in Merkovic geben. In der kleinen dalmatinischen Stadt, wo Most ihre Wurzeln hat, haben die früheren Partner ihren Streit auch auf der lokalen Ebene ausgetragen. In der ersten Runde verlor Most die Mehrheit im Stadtparlament, die HDZ wurde dagegen von den Wählern gestärkt. Nun kämpft die amtierende Most-Bürgermeisterin Katarina Ujdur mit einem geringen Vorsprung gegen den HDZ-Herausforderer Dalibor Milan um den Bürgermeisterposten.

Insgesamt werden am Sonntag die Hauptleute in acht Gespanschaften sowie die Bürgermeister in 56 Städten und 103 Gemeinden gewählt.

Erst recht spannend wird das politische Geschehen in Kroatien nach dem zweiten Durchgang der Lokalwahlen. Dann wird Regierungschef Andrej Plenkovic von der HDZ nämlich tatsächlich den Nachweis erbringen müssen, ob er nach dem Bruch mit Most noch eine Mehrheit im Parlament hat, wie er sagt. Er will vier vakant gewordene Ministerposten neu besetzen, die bisher Most gestellt hatte. Dafür brauchen seine Ministerkandidaten mindestens 76 Stimmen im Parlament.

Laut Medienberichten hat Plenkovic noch keine Mehrheit in der Tasche. Bekommt er sie nicht zusammen, wird es zu einer Neuwahl des Parlaments kommen. Diese könnte frühestens Mitte Juli stattfinden. Als wahrscheinlicher gilt jedoch ein Termin im September nach den Sommerferien.